Pferdesteuer auf dem Weg

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Pauline (14) verbringt jede freie Minute im Stall und trainiert Kunststücke mit Freddy Foto: Blume

Viel Unverständnis für Tangstedter Entscheidung

Von Claudia Blume

Tangstedt Die Einführung einer Pferdesteuer in Tangstedt hat eine weitere Hürde genommen. Mit zehn (SPD, BGT) zu acht Stimmen (CDU, FDP) und Enthaltung von Bürgermeister Norman Hübener (SPD) fasste die Gemeindevertretung einen Grundsatzbeschluss und übergab die Ausarbeitung der Steuersatzung und Festlegung des Betrages an die Verwaltung.

Bei 200 Euro pro Jahr für jedes der 696 gemeldeten Pferde käme ein willkommener Beitrag zur Entlastung in die Haushaltskasse. Mit mahnenden Worten, Schildern und Bannern hatten 150 Pferdefreunde zuvor versucht, die Entscheidung im überfüllten Sitzungszimmer letztlich noch zu beeinflussen. Vertreter vom Pferdesportverband Schleswig-Holstein in Segeberg als auch von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Warendorf waren angereist, um das Schlimmste zu verhindern.
„Drei hessische Ortschaften haben die Pferdesteuer tatsächlich eingeführt, während das Thema in 280 Gemeinden auch diskutiert wurde“, erklärt Thomas Ungruhe von der FN. Hoher Verwaltungsaufwand, Ausnahmen von Gnadenbrot-, Zucht-, Schul- und Therapiepferden sowie Umsatzrückgang örtlicher Geschäfte durch Ausbleiben auswärtiger Kunden hätten dazu geführt, dass eine Steuer mehrheitlich als unwirtschaftlich verworfen oder sogar wieder aufgehoben wurde. „Wir werden verhindern, dass Tangstedt zur ersten pferdeunfreundlichen Gemeinde im Norden mutiert, die einen Sport besteuert“, bekräftigt Ungruhe.
Hoffnung macht ihm, den Stallbetreibern und Pferdebesitzern, dass es einigen Gemeindevertretern nicht in erster Linie um das Stopfen des Haushaltslochs geht, sondern um Kosten, die durch Zerstörung und Verschmutzung der Straßen und Wege im Dorf durch Pferde und ihre Hinterlassenschaften entstehen. Tanja van den Eijnde-Pieper von der Reitsportanlage Lindenhof hat deshalb zusammen mit anderen Hofbesitzern ein Konzept erarbeitet, das am 30. Juni den Fraktionen vorgestellt wird. Es beinhaltet einen Verhaltenskodex für alle Reiter sowie die Reinigung und Pflege eines neuen Reitwegenetz, der die Kasse und den Ortskern entlastet – „wir sind guten Mutes und suchen weiter das Gespräch.“ Eine Pferdesteuer könne manchen Hof in die Insolvenz treiben, befürchtet die Stallbetreiberin. „Wer einen Platz für sein Pferd sucht, macht einen Bogen um Tangstedt.“
Nach den Sommerferien wird die Gemeindevertretung eine Pferdesteuer verabschieden – oder nicht.
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