Pferdesteuer in Tangstedt kommt

Anzeige
Die Stimmung in der Turnhalle war gereizt: Hamburger Pferdebesitzern wurde laut Sitzungsordnung kein Rederecht zugebilligt Foto: Blume

150 Euro jährlich sollen ab 1. Januar 2017 pro Tier fällig werden. Tierhalter protestieren

Von Claudia Blume
Tangstedt
Die Vorentscheidung für eine Pferdesteuer in Tangstedt ist gefallen. Mit vier (SPD und BGT) zu drei Stimmen (CDU und FDP) hat der Finanzausschuss die neue Abgabe befürwortet – voraussichtlich am 14. Dezember entscheidet die Gemeindevertretung über eine Einführung. 150 Euro jährlich sollen ab 1. Januar 2017 pro Tier ab Fohlenalter von sechs Monaten gezahlt werden. Ausgenommen sind Pferdehalter, die Vierbeiner für ihre Berufsausübung nutzen – etwa Zucht- und Schulbetriebe, sofern sie als Gewerbe betrieben werden. Die Sitzung war kurzfristig vom Rathaus in die örtliche Turnhalle verlegt worden, da ein Besucheransturm vorauszusehen war. Rund 300 Reiter, Fahrer und Pferdefreunde aus Tangstedt und umliegenden Gemeinden kamen und machten ihrem Ärger Luft. Sie mahnten fehlende Kosten-Nutzen-Rechnungen an, bekräftigten die Notwendigkeit des Reitsport zur Kinder- und Jugendförderung und wiesen auf Diskriminierung von Mädchen und Frauen hin, die 90 Prozent aller Pferdesportler bilden. Die Antworten und Statements des Ausschussvorsitzenden Christoph Haesler (SPD) waren für viele nicht zufriedenstellend und wurden mit Zwischenrufe kommentiert. „Unser Geld wollt ihr haben, aber sagen dürfen wir nichts“, beschwerte sich ein Hamburger darauf hingewiesen, dass er als Auswärtiger kein Rederecht hätte. Die Stimmung kochte. Haesler drohte, die Sitzung nichtöffentlich weiterzuführen. Mit Steuereinnahmen von etwa 105.000 Euro bei etwa 700 Pferden möchte er das Haushaltsloch von gut einer Million Euro verringern – abzüglich Einführungskosten von 10.000 Euro und jährlichen Kosten von 6.000 Euro. „Das Konzept ist undurchsichtig und wirtschaftlich nicht tragbar, Einbußen im Gewerbe und Arbeitsplatzverluste bleiben unberücksichtigt“, urteilt Matthias Karstens vom Pferdesportverband Schleswig-Holstein. Zudem weist Roy Bartels von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) auf laufende Verfahren in punkto Pferdehaltung als Berufserwerb hin. Trotz des Dämpfers resignieren Tangstedts Pferdebetriebe nicht. „Wir planen den nächsten Runden Tisch, um mit der Politik im Gespräch zu bleiben – vielleicht denkt der eine oder andere Gemeindevertreter doch noch um“, hofft Daniel Ostendorf.

Lesen Sie auch: Pferdesteuer künftig auch in Tangstedt?

Anzeige
Anzeige
6 Kommentare
7
Gudrun G. aus Quickborn | 04.10.2016 | 20:56  
11
Karin Schöpke aus Tangstedt | 04.10.2016 | 21:34  
7
Gudrun G. aus Quickborn | 04.10.2016 | 22:09  
11
Gonne Wehrmann aus Tangstedt | 05.10.2016 | 11:10  
7
Gudrun G. aus Quickborn | 05.10.2016 | 13:13  
6
Detlev Heinrich aus Wellingsbüttel | 08.10.2016 | 09:04  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige