Politisches Erdbeben in Ellerau

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Bürgermeister Eckart Urban: Der Informant sollte Rückgrat zeigen und sich öffentlich bekennen. Fotos: Fuchs

Fünf Gemeindevertreter der Fraktion Aktives Ellerau sind zurückgetreten

Von Burkhard Fuchs
Ellerau. Das kleine Ellerau erlebt zurzeit ein politisches Erdbeben. Weil eine nichtöffentliche Ermahnung ihres Fraktionsmitglieds und stellvertretenden Bürgermeister Joachim Dose an die Öffentlichkeit gelang, haben fünf Ratsmitglieder der Fraktion Aktives Ellerau (AE) ihre Mandate niedergelegt. Dies sind Gisela und Joachim Luther sowie Fraktionschef Wolfgang Dutsch, Thomas Schrader und Nadine Jarren. Dose selbst macht allerdings weiter und will auch wieder bei der Kommunalwahl im Mai 2013 antreten.
Weil durch diese Rücktrittswelle, die Ausschussarbeit leiden könnte, hat Bürgermeister Eckart Urban (SPD) den Gemeinderat zu einer Sondersitzung für Mittwoch, 12. September, eingeladen. Dort würden die fünf vakanten Ratssitze der AE-Fraktion durch ein bis zwei Nachrücker nachbesetzt, kündigt Dose an. Mehr Kandidaten stünden nicht mehr bereit. Dadurch verkleinert sich der Gemeinderat von nun 24 auf 21 oder gar 20 Sitze. „Aber wir bleiben die stärkste Fraktion“, ist sich Dose sicher. Neuer Vorsitzender der AE-Fraktion ist Jörg Jessen.
Hintergrund dieser Neubesetzung ist ein Vorfall, der beinahe ein halbes Jahr zurückliegt. So soll Dose in einer Bäckerei in Ellerau Hausverbot erhalten haben. Daraufhin trat der Ältestenrat, bestehend aus den Vorsitzenden der Ratsfraktionen und dem Bürgermeister, zusammen und beschloss, den stellvertretenden Bürgermeister für sein Verhalten schriftlich zu rügen. Dose selbst war nicht anwesend und wurde dazu auch nicht angehört. Die Teilnehmer vereinbarten darüber Stillschweigen.
Da aber dann doch diese Geschichte durch Indiskretion eines Eingeweihten an die Öffentlichkeit gelang, traten nun die Kommunalpolitiker der AE zurück. Sie sprachen von Mobbing und Hetzkampagnen, denen sie sich nicht mehr aussetzen wollten. „Ich möchte daher dieser Gemeindevertretung nicht mehr angehören“, sagte Nadine Jarren. „Durch die widerrechtliche Veröffentlichung wurden Persönlichkeitsreche eklatant missachtet und ein öffentliches Mobbing ausgelöst“, sagte Dutsch und fragte: „Wer ist das nächste Opfer?“
Auch Bürgermeister Urban ist sehr unglücklich über diese Entwicklung. Er fordert denjenigen auf, der diese Geschichte an die Presse lancierte, sich dazu öffentlich zu bekennen. „So viel Rückgrat sollte er zeigen.“ Dann müsste sich dieser aber wohl auch einer staatsanwaltlichen Ermittlung stellen.
Dose dagegen bleibt dem Gemeinderat erhalten. „Ich bin von den Wählern für fünf Jahre gewählt worden. Warum sollte ich aufhören?“ Er werde nächstes Jahr wieder für den Gemeinderat und den Segeberger Kreistag kandidieren, kündigt der frühere CDU-Mann Dose an. Zu dem Vorfall in der Bäckerei, der diese Rücktrittswelle ausgelöst hat, möchte er allerdings nichts sagen. (bf)
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