Projekt mit Problemen: Ein Schatten liegt über dem Solardorf

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Bernd Degen, Christian Fischer, Stefan Poller und Jonas Röntgen (v.l.) glauben nicht mehr ans Solardorf Foto: now

Bauherren kritisieren fehlende Ladestation für Elektroautos und ungeklärte Stromversorgung. Stadt will vermitteln

Mit einem Eigenheim im Solardorf Müllerstraße wollte sich Bernd Degen den Traum vom energieautarken Leben erfüllen. Auch die Stadtverwaltung unterstützte das 28 Häuser umfassende Bauprojekt. Durch eine Kombination aus Blockheizkraftwerk, Solarenergie und einem Elektrofahrzeug, das zu jedem Haushalt gehört, sollte die Strom- und Wärmeversorgung des Wohnparks unabhängig vom Strommarkt gestaltet werden.
Jeder Käufer verpflichtete sich mit dem Grundstückskauf auch das Öko-Paket für 72.500 Euro zu erwerben. Ende 2012 beauftragte Norderstedt die Firma Schilling Projekt Gesellschaft aus Bad Salzuflen als Erschließungsgesellschaft Kunden für das Solardorf zu gewinnen. Im März 2013 begann die Erschließung. Nun ist Bernd Degens Rohbau fertig und der zukünftige Norderstedter enttäuscht.

Öko-Komponenten fehlen

„Die Rückladestation für das Elektroauto wird noch nicht produziert und auch andere Komponenten des Solarpakets sind nicht mehr so, wie ursprünglich geplant“, sagt er. „Das Konzept kann so nicht mehr funktionieren.“ Neben der Familie Degen haben sich 20 weitere Bauherren beteiligt, sechs Häuser sind bereits fertig. „Doch keines hat eines der geplanten Elektroautos vor der Tür“, sagt Degen.
Hinzu kommt, dass die Olwo Hochbau GmbH, die 14 der Baugrundstücke von der Erschließungsgesellschaft kaufte, das Bauland nun ohne Öko-Paket anbietet. Einer, der so einen Vertrag abgeschlossen hat, ist Christian Fischer. „Für mich ist das Paket nur eine Option“, erklärt er.

Ärger mit Firma

Das Problem: Wenn nicht alle der ursprünglich 28 Häuser Strom erzeugen und speichern, kann das Dorf nicht autark werden. In diesem Fall müsste Strom zugekauft werden. Tobias Schilling, Juniorchef der Erschließungsfirma, beruhigt: „Das Konzept steht und funktioniert, nur die Ladestation ist noch nicht lieferbar.“
Das können die Bewohner jedoch nicht recht glauben. Noch immer wissen sie nicht, von wem sie Strom und Wärme beziehen sollen, falls das Öko-Projekt tatsächlich scheitern sollte. Alles läuft über die Firma Schilling, die aber bisher keine Stromverträge mit den Bauherren abschloss. Inzwischen gehen die Bauherren rechtlich gegen die Firma Schilling vor.
Auch die Stadtverwaltung hat sich mittlerweile eingeschaltet. „Wir finden das Konzept nach wie vor gut und tun alles, um es zum Erfolg zu bringen“, sagt Stadtsprecher Hauke Borchardt. Die Stadt plant, zwischen den Parteien zu vermitteln. „Wir werden alle Beteiligten an einen Tisch bitten.“
Auf der Internetseite ossenmoorring.de gibt es weitere Informationen zum aktuellen Stand rund um das Solardorf. (now)
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