Quickborn: Ärger durch Ex-Mieter

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So verwahrlost sah die Wohnung vor der Räumung aus Foto: Heinemann/wb,bf

Geschäftsmann bleibt auf Kosten sitzen. Streit mit Jobcenter

Hasloh/Quickborn/Norderstedt Er habe etwas Gutes tun wollen, sagt Christopher Heinemann enttäuscht. „Doch noch mal werde ich wohl nicht an einen Hartz-IV-Empfänger meine Wohnung vermieten“, sagt der Hasloher. Ein Jahr lang hatte er seine Ein-Zimmer-Wohnung einem Langzeitarbeitslosen überlassen. Jetzt sei sie völlig abgewohnt, müsse komplett renoviert werden und er bleibe auf Kosten sitzen, weil das Jobcenter Quickborn keinerlei Auskünfte erteilt. Ein Mitarbeiter vom Amt der Eingliederungshilfe aus Norderstedt hatte ihn vor einem Jahr angerufen, ob er nicht Dirk S. bei sich wohnen lassen könnte. Der finde gerade keine Bleibe und habe seine Drogentherapie erfolgreich beendet. „Der hat an mein Herz appelliert und mich überzeugt“, erinnert sich Heinemann. „Er war ein unauffälliger Mieter, grüßte immer höflich. Alles schien in bester Ordnung“, sagt der Hasloher Geschäftsmann.

Mieter verschwunden

Doch das änderte sich im Herbst. Auf einmal war sein Mieter verschwunden, wie er feststellen musste. „Zweimal war die Polizei hier und suchte ihn mit Haftbefehl.“ Offenbar war S. zu oft schwarz mit der Bahn gefahren und zu einer Haftstrafe verurteilt. Auch die Mietzahlung über 430 Euro Warmmiete im Monat, die das Jobcenter sonst regelmäßig überwiesen hatte, blieb für November plötzlich aus. Als er sich im Jobcenter erkundigte, teilte ihm der Sachbearbeiter mit, er dürfe dazu nichts sagen mit Hinweis auf den Datenschutz. Das kann Vermieter Heinemann nicht nachvollziehen. „Ich wollte ja gar nicht wissen, warum die Mietzahlung eingestellt wurde. Aber es sollte doch möglich sein, mich vorher darüber zu informieren, dass dies geschieht.“

Jobcenter widerspricht

Doch dem widerspricht Jörg Kregel, Sprecher des Jobcenters: „Uns sind die Hände gebunden.“ Ein Urteil des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 2012 verbiete es den Jobcentern, Vermietern irgendwelche Angaben über ihre Klienten zu machen. Das ginge nur dann, wenn der Mieter dem Vermieter eine entsprechende Vollmacht erteile, die dieser aber jederzeit widerrufen könnte. Das Mietverhältnis wiederum binde nur den Mieter vertraglich an den Vermieter, nicht aber das Jobcenter, das mit dem Vermieter kein Rechtsgeschäft unterhalte. In diesem konkreten Fall sei die Leistung nur für ein Jahr bewilligt worden, was im Oktober ausgelaufen sei, weil kein Folgeantrag gestellt wurde, teilt Kregel die Rechtslage mit.

Kaution deckt Schäden nicht

Heinemann hatte davon keine Ahnung. Erst recht nicht von dem Verhalten seines Mieters. Denn als er jetzt die völlig verwahrloste Wohnung räumen ließ, entdeckte er nicht nur haufenweise Unrat, sondern auch noch etwa 60 Heroinspritzen. Die Wände waren mit Sprüchen beschmiert, im Bad seien Fliesen zerstört, die Küchenzeile ramponiert worden. Für die Räumungs- und Renovierungskosten, die jetzt anfallen, würden die 930 Euro Mietkaution noch nicht einmal ausreichen. (bf)
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