Quickborn klagt wegen Stromtrasse

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Die Stadt möchte nicht, dass ein Ausbau des Stromnetzes zu Lasten der Anwohner geht - notfalls will man vor Gericht gehen Foto: Eon_Tennet
Von Burkhard Fuchs
Quickborn. Eine eineinhalb Kilometer lange Stromtrasse am südlichen Rand von Quickborn bringt die Bewohner der Eulenstadt in Aufruhr.
Vor knapp zwei Wochen erreichte der Planfeststellungsbeschluss des Kieler Energiewendeministeriums über den Ausbau des Stromnetzes von Stade bis Norderstedt das Rathaus. Laut Staatsekretärin Ingrid Nestle rechne das Ministerium für Energiewende mit einem Baubeginn im nächsten Jahr. Die Trasse soll gefährlich nahe an Häusern und Schulen vorbeiführen.
„Die Energiewende wird hier ohne Rücksicht auf gesundheitliche Verluste durchgesetzt“, sagt Bürgermeister Thomas Köppl. Daher wird die Stadt gegen das Bauvorhaben klagen.
„Wir werden gegen Ende des Monats Klage eingereichen, im Rahmen der zur Verfügung stehenden Rechtsmittelfrist“, bestätigt Friederike Walter, Fachbereichsleiterin Stadtentwicklung. Der beauftragte Anwalt prüfe nun, ob es möglich ist, gegen den vorzeitigen Baubeginn zu klagen.
Genau das wollte Staatssekretärin Ingrid Nestle verhindern. Etliche Verhandlungsrunden in Quickborn habe sie besucht und zu vermitteln versucht. So kam sie eigens vorbei, um vorab den Beschluss zu erläutern. „Wir brauchen die Verstärkung der Netze für die Energiewende“, sagte sie.
Wie vom Netzbetreiber Tennet beantragt, erfolgt der Bau dieser Höchstspannungsleitung oberirdisch und entlang der be-
stehenden Trasse.
Nötig ist die Maßnahme, damit Windstrom von der Nordseeküste in die Ballungsräume gelangen kann, dafür werden die 220.000-Volt-Leitungen durch 380.000 Volt-Leitungen ersetzt.
Das Problem: Die neuen Stromleitungen sondern ein Mehrfaches der bisherigen elektromagnetischen Strahlung ab.
Mittlerweile haben sich einige Hundert Anwohner zusammengeschlossen, um zu verhindern, dass die bis zu 70 Meter hohen Masten in unmittelbarer Nähe zu Häusern und Schulen errichtet werden. Sie wollen, dass die Trasse möglicherweise weiter weg von ihren Häusern gebaut wird.
Auch Ingrid Nestle hätte sich nach eigenen Angaben gewünscht, dass ein Verschwenken der Trasse möglich gewesen wäre. Dies sei am Widerstand der Grundstückeigentümer gescheitert. Das Gebiet ist so stark besiedelt, dass die Starkstromleitungen bei einer Verlagerung der Trasse anderen Anwohnern zu nahe gekommen würde. Eine weitere Möglichkeit wäre die Leitungen unterirdisch zu verlegen. „Eine Verlegung der Leitung unter die Erde ist rechtlich nicht möglich und technisch nicht sinnvoll“, sagte Nestle. So seien bundesweit nur in Niedersachsen Ausnahmen davon erlaubt. Auch eine weitere Alternative gestaltet sich schwierig: Ein Temperatur-Monitoring des Stromflusses sei nur dann möglich, wenn die gesamte Strecke als Freileitung gebaut sei. „Je kälter und je windiger es ist, desto mehr Strom kann fließen.“
Die 19 Akten und der 220 Seiten starke Planfeststellungsbeschluss liegen noch bis 21. Mai in den Rathäusern und Amtsverwaltungen der betroffenen Kommunen für Jedermann einsehbar aus. Einwände sind danach innerhalb eines Monats möglich. (bf)
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