Quickborner Rettungsfonds

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Wer ihm bei der griechische Schule helfen möchte, sollte sich direkt an ihn wenden, sagt Panos Memetzidis: Unter t 04106/6160 oder E-Mail: pmemetzidis@stwq.de.Foto: Fuchs

Stadtwerke-Chef Panos Memetzidis will griechische Schule wieder eröffnen

Von Burkhard Fuchs
Bönningstedt/Quickborn. Fast unbemerkt hat die Finanzkrise um das hoch verschuldete Griechenland auch das Hamburger Umland erreicht. Die griechische Schule, die seit mehr als drei Jahrzehnten die Kinder griechischer Einwanderer in Sprache, Geschichte und Kultur unterrichtet hat, ist geschlossen worden. Ende 2011 kam der Lehrer einfach nicht mehr aus dem Heimaturlaub zurück, berichtet Panagiotis Missias, dessen Söhne Ioannis, 19, und Vassilios, 13, diesen griechischen Unterricht ein- bis zweimal in der Woche in einem Klassenraum der Schule Rugenbergen hatten.
Auch er selbst sei damals, als er vor 38 Jahren mit seinen Eltern aus Griechenland nach Bönningstedt übersiedelte, auf diese griechische Schule gegangen. Dass die nun geschlossen ist, bedauert er sehr, sagt Missias. „Damit die hier in Deutschland aufwachsenden Kinder die griechische Sprache lernen, ist dieser Unterricht enorm wichtig.“ Auch sein ältester Sohn Ioannis, der später das griechische Gymnasium in Norderstedt besuchte, hält es für falsch, dass der Griechisch-Unterricht in Bönningstedt aufgegeben wurde. „Als Kind hatte ich zwar erst keine Lust, am Nachmittag zur Schule zu gehen. Aber es hat so viel Spaß gemacht. Und man hat seine Freunde getroffen.“ Beistand erhält die Familie von Nikolaus Vidakis, der vor 40 Jahren als Gastarbeiter nach Bönningstedt kam und heute das griechisch-deutsche Freundschaftshaus leitet. Er sagt: „Die Schule ist so wichtig, damit die griechische Kultur an die nächsten Generationen weitergegeben wird.“ Im Freundschaftshaus an der Bahnhofstraße treffen sich die 40 Familien, die heute noch in Bönningstedt leben. In der Hochzeit, als die die Hälfte der Mitarbeiter der insolvent gegangenen Rugenbergener Mühle griechischer Herkunft war, lebten in der Norderstedter Nachbargemeinde 150 griechische Familien, erinnert sich Missias.
„Die Krise trifft immer den kleinen Mann“, ärgert er sich. Dabei trage die Politik in Griechenland die Verantwortung für diesen Niedergang. „Wenn die Politiker sich die Taschen voll stopfen, ist es kein Wunder, wenn das ganze Land den Bach runtergeht.“
Neue Hoffnung macht den griechischen Landsleuten jetzt der Quickborner Stadtwerke-Leiter Panagiotis Memetzidis. Der Mann hat nicht nur den gleichen Vornamen wie Missias in Bönningstedt. Der frühere Vertriebsleiter der Norderstedter Stadtwerke kündigt an, dass er nun um Unterstützung wirbt, eine griechische Schule in Quickborn einzurichten, wo die Kinder wieder die Sprache, Kultur und Geschichte ihrer Vorfahren erlernen könnten. Ein solcher Unterricht müsste sich doch mit vereinten Kräften und privaten Geldgebern finanzieren lassen, ist Memetzidis überzeugt. „Für die deutsch-griechische Freundschaft wäre das so wichtig.“ Memetzidis, der seit 22 Jahren in Deutschland lebt und beide Staatsbürgerschaften besitzt, hat hier Karriere gemacht. Er hat in Griechenland Verfahrenstechnik studiert und an der TU Harburg in Umwelttechnik habilitiert. Seit einem Jahr ist der Chef der Quickborner Stadtwerke. In seinem Herzen sei er Grieche und Deutscher, sagt Memetzidis. Ähnlich wie Missias, der sagt, dass er Deutsch träume, da er schon solange hier lebt. Die aktuelle Krise dürfe die „tiefe Freundschaft zwischen Deutschland und Griechenland nicht gefährden“, appelliert Memetzidis. Die Millionen Landsleute die jedes Jahr Urlaub auf der Peloponnesischen Halbinsel machten und dort von den gastfreundlichen Griechen herzlich empfangen und bewirtet werden, hätten eine jahrzehntelange Völkerverständigung bewirkt. „Das darf jetzt nicht verloren gehen.“ Bei allen Vorwürfen dürfe nicht vergessen werden, dass eine Minderheit von vielleicht zehn Prozent der Politiker, Beamten und Wirtschaftsleuten diese Finanzkrise verschuldet hätten. Der kleine Mann auf der Straße müsse nun die Suppe auslöffeln, die andere ihm eingebrockt haben. Allein der Sparkurs reiche aber nicht, um Griechenland wieder nach vorne zu bringen, ist Memetzidis überzeugt. „Wir brauchen einen Marshall-Plan für Griechenland.“ (bf)
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