Schlechtes Fahrradklima

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Im Alten Kirchenweg gibt es den einzigen Schutzstreifen für Radfahrer auf der Fahrbahn. Frank Wagner benutzt ihn allerdings ungern. Foto: Fuchs
 
Immer noch ein Unfall-Schwerpunkt für Radler in Norderstedt, die Kreuzung Waldstraße/Ulzburger Straße, die aber bald eine Ampelanlage sichern soll. Foto: Fuchs

ADFC ruft Bürger zur Teilnahme am Fahrradklima-Test auf

Von Burkhard Fuchs

Norderstedt/Quickborn/Hasloh. Bis zum 30. November sind alle Bundesbürger aufgerufen, sich am Fahrrad-Klima-Test zu beteiligen. Im Internet sind dazu 27 Fragen zu beantworten, die den Zustand der Radwege, die Aufgeschlossenheit von Behörden und Medien und das Verhältnis der Autofahrer und Fußgänger zu den Radfahrern beleuchten. Die Ergebnisse sollen ein möglichst breit gefächertes Bild für jede Kommune abgeben.
Das Fahrradklima in und um Norderstedt ist aus Sicht des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC), der 400 Mitglieder in Norderstedt, Quickborn, Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen zählt, vielerorts noch mangelhaft.
Peter Behr, der monatliche Radtouren vom Rathausplatz mitorganisiert, sagt: „Es ist in den letzten Jahren einiges passiert. Das reicht aber noch lange nicht, um Norderstedt zur fahrradfreundlichen Kommune zu erklären.“
So sei der Radweg entlang der U-Bahnstrecke von Friedrichsgabe bis zum Herold-Center ein besonders gelungenes Beispiel. Das gelte auch für die Verbindung vom Exerzierplatz in Harksheide bis nach Glashütte, für den eigens eine Verkehrsinsel auf der Schleswig-Holstein-Straße geschaffen wurde. Allerdings hätte die Verwaltung das Sperrgitter am Ende, das auf einen Feldweg mündet, ruhig weglassen können. Außerdem gebe es nur einen einzigen Schutzstreifen für Radfahrer auf der Fahrbahn, nämlich im Alten Kirchenweg von der Ulzburger Straße bis zum Harksheider Markt, kritisiert Behr. „Das ist viel zu wenig. Radfahrer gehören auf die Straße. Das ist die Zukunft.“ Davon sind allerdings nicht alle Radfahrer überzeugt. Frank Wagner, der täglich mit dem Rad fährt, traut dem Schutzstreifen nicht. „Wenn sich da Bus und Lkw begegnen, wird es ganz schön eng und gefährlich.“ Er plädiert lieber dafür, dass an der Ecke Ulzburger Straße/Waldstraße endlich die angekündigte Ampelanlage gebaut wird. „Da sind schon so viele Unfälle passiert, weil die Autofahrer beim Abbiegen die von rechts kommenden Fahrradfahrer übersehen haben“, weiß der Norderstedter.
„Fahrradfahren ist heute zum Lebensstil geworden“, sagt Sönke Lunding vom ADFC aus Hasloh. Immer mehr Menschen stiegen auf das Fahrrad um, nicht weil es umweltfreundlicher oder billiger sei als Auto zu fahren. Für sie sei es einfach eine Einstellungssache. Lunding hält wie inzwischen viele Verkehrsexperten das Radfahren auf der Straße für am sichersten für die Radfahrer. Doch dafür müsste, wie auch die Warnung Frank Wagners zeigt, oft noch das Bewusstsein in der Bevölkerung geschärft werden, glaubt er. Es habe viel Überzeugungsarbeit in Hasloh bedurft, die Benutzungspflicht für den Radweg im Garstedter Weg aufzuheben, sagt Lunding. „Dann hupten und pöbelten die Autofahrer.“ Doch nun hätten die meisten eingesehen, dass er Recht hatte mit dem Argument, dass es sicherer sei, sagt Lunding. „Wir werden jetzt ernster genommen.“ Das hat auch Michael Artmann vom ADFC in Quickborn festgestellt. Fast überall sei das Radfahren auf der Straße erlaubt. Die Verwaltung baue nach und nach überflüssige Sperrgitter ab, die vor allem Radfahrer mit Kinderanhängern behinderten. „Die Ohren im Rathaus sind geöffnet. Aber es gibt noch Altlasten.“ (bf)



Nächster Radlertreff des ADFC Norderstedt ist am Donnerstag,
1. November, um 19 Uhr im TuRa-Sportlerheim am Exerzierplatz 16. Für die Sonnabende, 10. und 17. November, sind gemütliche Radtouren geplant. Treffpunkt ist jeweils um 14.30 Uhr am Rathausmarkt. Und wer etwas schneller in die Pedale treten möchte, kann ab 7. November jeden Mittwoch ab 15 Uhr vom Rathausmarkt mitradeln. Info: Fahrradklima-Test
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