Sicherer E-Mail-Verkehr

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Wilhelm.tel-Chef Theo Weirich an einem der Server des Unternehmens, auf den Dritte keinen Zugriff haben

„wilhelm.tel“: Rechenzentrum und Server sind geschützt

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt. Das systematische und offenbar flächendeckende Ausspionieren der Telefon- und Internet-Kommunikation in Deutschland durch US-Geheimdienste hat jetzt auch Norderstedter Politiker aufhorchen lassen.
„Wir wollen Aufklärung darüber, ob Daten der Nutzer von wilhelm.tel an Dritte weitergeleitet worden sind“, sagte SPD-Fraktionschef Jürgen Lange. Er stellte eine offizielle Anfrage dazu im Hauptausschuss, die wilhelm.tel-Chef Theo Weirich nun beantwortet hat. Das städtische Unternehmen wilhelm.tel ist Glasfaserbetreiber und Anbieter von Telefon- und Internetkommunikation für rund 80 Prozent der Bevölkerung. Demnach ist das Norderstedter Unternehmen gesetzlich verpflichtet, gegenüber Gerichten und Behörden Auskünfte zu erteilen und ihnen auch bei der Überwachung von Daten und Teilnehmern behilflich zu sein. Wie oft dies vorkommt, wisse er nicht, sagt Weirich. „Wir haben keinen Einblick oder Zugriff auf die Inhalte der überwachten Kommunikationsvorgänge.“ Er bekäme nur einmal im Jahr eine Abrechnung darüber, dass die Bundesnetzagentur solche Daten im Auftrag der Justizbehörden weitergegeben habe.
„Dazu sind wir gesetzlich verpflichtet.“ Es sei aber streng geheim, wer und von wem abgehört wurde. Allerdings habe niemand außer wilhelm.tel direkten Zugriff auf den E-Mail-Verkehr von „wtnet“, der Internetadresse des Norderstedter Unternehmens.
Dies ist möglicherweise anders bei den US-amerikanischen Anbietern wie google, apple oder facebook, die bereits eingeräumt haben, dem US-amerikanischen Geheimdienst NSA solche Daten uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen. „Bei uns hat keiner außer uns Zugriff auf das System“, sagt wilhelm.tel-Chef Weirich. Auch würde keine abgeschickte E-Mail über Umwege abgeschöpft werden können, weil sie womöglich über ausländische Server verlaufe. Die wtnet-Mails würden ausschließlich über das Glasfasernetz von wilhelm.tel laufen.
Interne Datenspeicherung
Wenn allerdings die Computerprogramme der Kunden über sogenannte Trojaner infiziert seien, die die Daten direkt beim Kunden abschöpfen, sei auch dieser Schutz hinfällig. Darum habe die Geschäftsführung nun entschieden, die rund 250.000 Kunden in Norderstedt, Hamburg, Henstedt-Ulzburg und Ellerau noch besser zu schützen, kündigt Weirich an. „Wir werden noch in diesem Jahr ein Verschlüsselungsprogramm anbieten, mit dem sie ihren E-Mail-Verkehr sichern können.“ Außerdem soll die Datenspeicherung in einer virtuellen Cloud, wie sie wilhelm.tel seit einiger Zeit anbietet, nicht mehr auf einem amerikanischen Server landen. „Das werden wir künftig in unserem Rechenzentrum speichern.“ (bf)
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