Stadt gibt Geld für Pille

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Auch Frauen mit geringem Einkommen sollen sich die Pille leisten können Foto: iStockphoto

Pro Familia erwirkt Kostenübernahme für Bedürftige

Von Burkhard Fuchs

Norderstedt. Frauen mit geringem Einkommen können bei Pro Familia die Kostenübernahme für verschreibungspflichtige Verhütungsmittel beantragen. Dies entschieden die Mitglieder des Sozialausschusses. SPD, GALiN, FDP und Die Linke überstimmten damit die CDU. Für ein Jahr werden dafür von der Stadt 10.000 Euro für einen Verhütungsmittelfond bereitgestellt. Zuvor hatte der Kreis Segeberg dies abgelehnt.

Anspruch für Bedürftige

Umso mehr erfreut ist Pro-Familia-Geschäftsführerin Sabine Kühl über den Beschluss. „Wir freuen uns, dass es nach Kaltenkirchen jetzt mit Norderstedt die zweite Kommune im Kreis gibt, die sich zu so einer Regelung entschlossen hat.“ Anspruch auf diese Subvention haben Menschen mit geringem Einkommen, die Hartz IV, Sozialgeld oder Bezüge nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Ebenso Menschen ohne gültige Papiere sowie Frauen und Paare, die zu ihrem Gehalt vom Jobcenter aufstockende Leistungen erhalten. Neben der Anti-Baby-Pille sind auch Subventionen bei der Spirale und der Sterilisation möglich. Bei einem Hartz-IV-Regelsatz von 382 Euro monatlich sind etwa 20 Euro für die Anti-Baby-Pille laut Pro Familia eine Ausgabe, die kaum zu stemmen ist.
Die Initiative für diesen Beschluss hatte die Familienberatungsstelle Pro Familia gemeinsam mit dem Frauennetzwerk gestellt, die dieses Projekt landesweit erstmals in Flensburg durchsetzen konnte.
Dort werden dafür seit 2008 jedes Jahr 25.000 Euro zur Verfügung gestellt. Im Kreis gewährt auch die Stadt Kaltenkirchen ihren bedürftigen Bürgern 3000 Euro für ärztlich verordnete Verhütungsmittel.

Genehmigung in Kürze

„Noch steht uns das Geld nicht zur Verfügung“, sagt Pro-Familia-Geschäftsführerin Kühl. Sie erwartet die Mitteilung der Stadt über die Genehmigung der Mittel in den nächsten Tagen. „Wir sammeln zunächst die Interessenten für eine Kostenübernahme“, sagt Sabine Kühl. Eine konkrete Zahl an Bedürftigen, die Verhütungsmittel auf Rezept möchten, gebe es momentan nicht.

So gibt‘s die Pille

Bedürftige können eine Kostenübernahme für verschreibungspflichtige Verhütungsmittel beantragen. Aus dem Budget eines Harz-
IV-Empfängers seien die Kosten, zum Beispiel für die Pille, unmöglich zu tragen. Wer die Förderung in Anspruch nehmen will, brauche ein Rezept vom Arzt und einen Nachweis über seine Einkommensverhältnisse, erklärt Sabine Kühl. Damit sollen die Antragsteller in die Geschäftsstelle von Pro Familia (Kielortring 51) kommen. „Betroffene werden dann von uns eine Bewilligung bekommen, mit der er oder sie in die Apotheke oder zum Arzt gehen, um das entsprechende Verhütungsmittel zu bekommen“, sagt Sabine Kühl. Geld ausgezahlt werde nicht. Bernd Kiehm, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion: „Wir müssen auch Menschen mit geringen Einkommen die Möglichkeit bieten, über ihre Familienplanung entscheiden zu können.“ (bf)
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