Stadt zahlt Pille oder Spirale

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Sabine Kühl, von Pro Familia, mit einem Flyer, der über verschiedene Verhütungsmethoden aufklärt Foto: now

Antrag auf Kostenübernahme bei Pro Familia stellen

Norderstedt Verhütung ist teuer – der Einsatz einer Hormonspirale etwa kostet um die 350 Euro. Zu viel, wenn ein Paar von wenig Geld leben muss. Sabine Kühl ist Leiterin der Pro Familia-Beratungsstelle in Norderstedt. Sie sagt: „Wer von 360 Euro im Monat für zwei Leute Essen, Kleidung und Hygieneartikel kaufen muss, kann sich dann nur entscheiden: Verhütung oder Essen.“ In den vergangenen zwei Jahren ist die Stadt deshalb eingesprungen. Und auch in den kommenden zwei Jahren wird Norderstedt wieder jeweils 12.000 Euro dafür bereitstellen. Gegen die Stimmen der CDU beschloss der Sozialausschuss, für Menschen mit geringem Einkommen auch 2016 und 2017 wieder die Kosten für Verhütungsmittel zu übernehmen.
Im vergangenen Jahr hatte Sabine Kühl 96 Anfragen. „Wer weniger als 400 Euro über dem Harz-IV-Satz hat, sollte auf jeden Fall einmal bei uns nachfragen“, ermuntert Kühl. Für einen Antrag sind ein Einkommensnachweis und ein Rezept oder ein Kostenvoranschlag nötig. Wichtig zu wissen: Pro Familia gibt keine Daten weiter, der Antrag auf Kostenübernahme kann ganz diskret im Haus am Kielortring gestellt werden. Überwiegend wurde die Übernahme der Kosten für die Pille nachgefragt. Dabei ist die Art des Verhütungsmittels für die Zahlung nicht entscheidend, wie Kühl betont. „Gemeinsam mit dem Arzt soll die beste Entscheidung getroffen werden - und nicht abhängig von den Kosten.“ Das Geld wird dann entweder direkt an den Arzt oder Apotheker gezahlt. Seit 2004 wurden diese Kosten nicht mehr von der Sozialhilfe übernommen, deshalb stellte Pro Familia 2013 den ersten Antrag an die Stadt. Nur mit knapper Mehrheit setzten sich damals SPD- und Grünen-Fraktion mit ihrem Antrag durch. Jetzt bei der Fortführung stimmte nur die CDU gegen die Kostenübernahme. Für 12.000 Euro können zurzeit, so Sabine Kühl, alle Bedürftigen kostenfreie Verhütungsmittel bekommen. Allerdings schränkt sie ein: Auch Asylbewerber wären zur Kostenübernahme berechtigt. Damit kann durch die hohen Flüchtlingszahlen auch die Zahl derjenigen, die Kostenübernahme beantragen können, steigen. 2015 gingen bisher 92 Anträge bei Pro Familia ein, ähnlich wie 2014. Sollte die Zahl 2016 deutlich ansteigen, würden die letzten leer ausgehen, bei 12.000 Euro ist der Topf leer. Kühl sieht das aber entspannt. „Dann gucken wir noch mal.“ (now)
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