Stollwerck: 95 Norderstedter verlieren ihren Job

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In der Schokoladenfabrik von Stollwerck Am Stammgleis im Gewerbegebiet an der Oststraße in Norderstedt sollen bald nur noch Pralinen hergestellt werden. Foto: Fuchs

Produktion des Schokoladenherstellers wird bis März 2013 nach Berlin verlagert

Norderstedt. Jetzt ist es amtlich: Die Firma Stollwerck entlässt 95 Mitarbeiter im Werk Norderstedt. Die gesamte Schokoladen-Produktion wird nach Berlin verlagert und künftig vom Werk in Saalfeld übernommen, teilt Unternehmenssprecher Jan Zuther aus Köln mit. Der Grund für diesen Arbeitsplatz-Abbau, den Mitarbeitern ist keine Alternative in Berlin angeboten worden, liege in der Konzentration der Produktionsstandorte, sagt Zuther. „In den letzten Monaten wurde den einzelnen Produktionsstandorten in Deutschland mehr Kompetenz und Eigenverantwortung übertragen. Dies bedeutet auch eine weitergehende Spezialisierung der Einzelwerke als sogenannte „Kompetenz-Center“. Jedes Werk soll sich zukünftig stärker auf seine Kernkompetenzen fokussieren und die Produkte herstellen, welche es am besten produzieren kann.“ Das Werk in Norderstedt mit seinen hochmodernen Roboteranlagen, aber auch in Teilbereichen mit Handmanufaktur, habe seinen Schwerpunkt in der Pralinenfertigung. Dieser Produktionszweig soll weiter ausgebaut werden, kündigt Zuther an. Das Werk in Berlin werde ganz auf die Produktion von Tafelschokoladen, Dragees und Cluster ausgerichtet. Saalfeld behält seine Kompetenz für Tafeln, Trüffel, Saison- und Spezialitätenprodukte. 170 fest angestellte Mitarbeiter verbleiben nach dem Arbeitsplatz-Abbau in Norderstedt, der bis März 2013 umgesetzt sein soll.
Mit den betroffenen Mitarbeitern sei ein Interessensausgleich ausgehandelt worden, erklärt Zuther. Innerhalb des Rahmensozialplans gebe es für die Mitarbeiter die Möglichkeit, Bewerbungs- und Outplacement-Maßnahmen wahrzunehmen. Angelika Röll, Vorsitzende des Betriebsrats in Norderstedt, sagt dazu: „Nach wochenlangen intensiven Gesprächen mit der Geschäftsführung, die durch unsere Rechtsanwältin und die Gewerkschaft unterstützt wurden, konnte der Betriebsrat einige Teilerfolge erzielen. Von den ursprünglich 120 geplanten Stellen werden 95 abgebaut.“ Zudem sei vereinbart worden, dass es nach Abschluss der Maßnahme ein Jahr lang bis zum 31. März 2014 keine weiteren betriebsbedingten Kündigungen geben darf. Neben den Abfindungen wurde auch ein Härtefonds ausgehandelt, aus dem bei begründeten Härtefällen weitere Zahlungen an die Kollegen erfolgen. Auch das Weihnachtsgeld werde für 2012 in voller Höhe gezahlt. Das Weihnachts- und Urlaubsgeld für 2013 werde anteilsmäßig an die Kollegen ausgezahlt.
Die belgische Baronie-Gruppe, die Stollwerck 2011 vom Schweizer Barry Callebaut-Konzern gekauft hat, beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter an elf Standorten in Deutschland, Belgien, Niederlande und der Schweiz. Der Jahresumsatz liegt bei etwa 650 Millionen Euro. In Norderstedt wurden voriges Jahr etwa 12.000 Tonnen Schokolade hergestellt. (bf)
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