Streit um Parkplätze

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Auf dem Weg zum Parkplatz: Fahrradfahrer besetzen letzten freien Platz in der Garage und fordern kostenpflichtige Plätze für Pkw Foto: Nowatzky

Grüne setzen Parkraumbewirtschaftung wieder auf die Tagesordnung

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt
Schon zum zweiten Mal fährt der weiße Golf an dem Parkplatz in der Garage hinterm Rathaus vorbei, die Fahrerin schaut grimmig auf die Gruppe Radler, die den einzigen freien Platz besetzt. Wie fast jeden Tag ist die Parkplatzsituation in Norderstedt Mitte angespannt und Kurzparker rund ums Rathaus drehen oft mehrere Runden, bevor sie einen der kostenfreien Plätze ergattern. Die Gruppe Radfahrer auf dem Stellplatz möchte den Autoverkehr begrenzen - durch kostenpflichtige Parkplätze. Mit seinem Fahrrad dabei ist Grünen-Fraktionschef Detlev Grube: „Das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit. Die Stellplätze im Fahrradparkhaus kosten 70 Cent. Das ist in Ordnung. Aber warum können die Autos kostenfrei parken?“ Die Verwaltung und Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote wollen keine pauschale Parkraumbewirtschaftung für die Stadt. „Parkraumbewirtschaftung sollte nach sehr differenzierter Betrachtung der einzelnen Bereiche im Stadtgebiet zum Einsatz kommen“, sagt Stadtsprecher Olaf Struppek. Parkscheinautomaten, Parkscheiben und Anliegerparkplätze könnten je nach Bedarf eingerichtet werden. „An der einen Stelle geht es um Kurzzeitparker, an anderer Stelle darum, Parkplätze für Langzeitparker anzubieten“, heißt es aus der Verwaltung.

Andauernde Diskussion


Schon seit 2014 diskutieren Politiker und Verwaltung über eine mögliche Parkraumbewirtschaftung. Nachbar Hamburg hatte Kosten für die P+R-Parkhäuser angekündigt und die Stadt Norderstedt deshalb Ausweichparker im Stadtgebiet befürchtet. Damals sagte Baudezernent Thomas Bosse gegenüber dem Wochenblatt, eine Parkscheibenlösung könne innerhalb eines Vierteljahres realisiert werden. Doch immer noch steht eine Entscheidung aus, zuletzt wurde in den Haushaltssitzungen Ende 2015 über die möglichen Kosten mit den Fraktionen gesprochen. „Eine eindeutige Positionierung dazu gab es bis dato nicht“, ist aus der Verwaltung zu erfahren. Die Grünen sehen die Situation anders, bemängeln ein, aus ihrer Sicht, bisher ausstehendes Konzept der Verwaltung. Dabei geht es den Grünen nicht nur um Ungleichbehandlungen von PKW und Rad. Mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) in Norderstedt sind sie der Ansicht, kostenpflichtiges Parken könnte einen Anreiz zu mehr Radverkehr sein. „Rund 80 Prozent der Autofahrten in Norderstedt sind unter fünf Kilometer-Strecken“, meint Grube. Weniger Verkehr bedeute weniger Lärm und weniger Abgase, gleichzeitig könnte die Parkraumbewirtschaftung Geld in die Stadtkasse spülen. Dem erteilte Grote jedoch eine Absage: „Wir sind finanziell gut aufgestellt, können aufs Abkassieren verzichten.“ Die Grünen wollen das Thema weiterverfolgen und suchen Mitstreiter bei anderen Fraktionen. „Ich sehe die Chance für eine Mehrheit“, sagt Grube.
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