Tief fallen und wieder aufstehen

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Andreas und Claudia Tesch, die Hauptdarsteller des Films „Trink‘ nicht, halt mich, lieb mich“ und Petra Thomsen, die im Film Tiefdruckgebiete“ die Hauptrolle spielt Foto: Fuchs

Spectrum-Kino Norderstedt zeigt Dokumentationen über Menschen mit psychischen Erkrankungen

Norderstedt. Als Petra Thomsen erfährt, dass ihre leibliche Mutter sie zur Adoption freigab, wurde sie völlig aus der Bahn geworfen. „Ich wurde böse und zornig und hatte Selbstmordgedanken“, erinnert sie sich. Sie litt am Borderline-Syndrom und verletzte sich selbst. „Der Schmerz war wichtig. Ich war tieftraurig, stumpf und depressiv.“ Sie wurde Patientin der Klinik in Rickling, wo sie die Malerei entdeckte, die ihr half, sich aus diesem Teufelskreis zu befreien. „Ich ließ mich nicht kleinkriegen, stand immer wieder auf“, erzählt Petra Thomsen.
Das Leben, Leiden und Wiedergesunden von psychisch kranken Menschen beschreibt eine Filmreihe, die jetzt im Norderstedter Spectrum-Kino gezeigt wird. Die Berliner Dokumentarfilmerin Andrea Rothenburg präsentiert dort eines ihrer älteren Werke „Tiefdruckgebiete“ (27. Oktober, 11 Uhr in Norderstedt) sowie ihr neues Werk „Trink nich’, halt mich, lieb mich“ (3. November in Norderstedt, 11 Uhr).
Die Vorführung am 27. Oktober in Norderstedt wird von einer Podiumsdiskussion begleitet, die nach der Vorführung Zuschauer, Filmemacherin, Darsteller und Therapeuten ins Gespräch bringen soll. .

Vater war Psychiater

Die Filmemacherin Andrea Rothenburg beschäftigt sich seit ihrer Kindheit mit diesem Thema, als sie mit ihrer Familie von Berlin in die Ortschaft Rickling bei Bad Segeberg umzog, wo ihr Vater Ernstjürgen Rothenburg bis 2008 fast 30 Jahre lang die psychiatrische Klinik leitete. Gegen die Vorurteile ihrer Mitschüler, die sie wegen ihrer Herkunft oft gehänselt hätten, habe sie lange ankämpfen müssen, sagt die Filmemacherin. „Ich habe viel gelitten, weil ich doch wusste, dass die meisten der 280 Patienten in Rickling nicht bekloppt sind. Das treibt mich auch heute bei meiner Arbeit an.“Besonders anschaulich wird diese offene Sichtweise auf Suchtkrankheiten, Depressionen und Persönlichkeitsstörungen in dem liebevollen Portrait „Trink nich’, halt mich’, lieb mich“ über das Paar Claudia und Andreas Tesch, das sich in der Suchtklinik kennenlernte und verliebte und so ihre Krankheit und Sucht überwand. Wie ihre Liebe, die 2012 auch zur Hochzeit der beiden führte, die jahrzehntelange Alkoholsucht besiegte, beschreibt Andreas Tesch so: „Ich hatte mir gerade acht Flaschen Bier im Supermarkt gekauft, als ich plötzlich Claudia wiedertraf und mich sofort in sie verliebte.“

Zwei Jahre trocken

17 Jahre fast tägliches Komasaufen bis zum Umfallen hörten „schlagartig“ auf. Seit zwei Jahren sind er und seine Angetraute Claudia trocken. „Ich bin ein ganz anderer Mensch geworden“, sagt Claudia und schaut dabei ihrem Andreas tief in die Augen. Sie trank auch viele Jahre lang und nahm andere, illegale Drogen. „Ich hatte Depressionen, Angstzustände und hörte Stimmen“, sagt sie und rät Jugendlichen, „bloß keine Drogen zu nehmen“.
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