Über hundert Jahre Eisenbahngeschichte

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Irene Lühdorff und Hans Meier von der Quickborner Geschichtswerkstatt haben die Ausstellung erarbeitet. Foto: Fuchs
 
Im Juni 1912 wurde der Bahnhof an seinem jetzigen Standort eröffnet.Foto: pi

Geschichtswerkstatt erinnert mit einer Ausstellung an die Bedeutung der Bahntrasse in Quickborn

Von Burkhard Fuchs
Quickborn. In diesem Jahr würde der Quickborner Bahnhof 100 Jahre alt werden, wäre das historische Gebäude nicht vor zehn Jahren abgerissen und durch zwei neue moderne Bahnsteige mit Forum und Einkaufszentrum ersetzt worden. Die Quickborner Geschichtswerkstatt widmet diesem Jubiläum ihre nächste große Ausstellung, die vom 20. Juni an im Rathaus zu sehen sein wird.
An jenem Mittwoch ist es auf den Tag genau 100 Jahre her, dass die Altona-Kaltenkirchener Eisenbahngesellschaft, wie die AKN damals hieß, den Quickborner Bahnhof eröffnet hat. Die Eisenbahn-Geschichte ist sogar noch älter: Bereits 1884 fuhr der erste Zug der AKN vom Gählersplatz in Altona nach Kaltenkirchen. Zwei Stunden brauchte der Bummelzug für diese 35 Kilometer lange Strecke. Nach eineinhalb Stunden konnte der Fahrgast aus Hamburg in Quickborn aussteigen. Auch wenn der Zug nur 20 km/h schnell war, passierten doch allerhand Unfälle, berichtet Irene Lühdorff von der Geschichtswerkstatt. Denn die AKN-Bahn fuhr bis Quickborn direkt an der Kieler Straße entlang. Pferdefuhrwerke blieben in den Gleisen hängen. Auch manche Anwohner verunglückten, wenn sie auf die Gleise gerieten, die direkt an der Straße und den Häusern entlang gingen. Das führte zu langen Verzögerungen. „Und es kam dabei sogar zu Todesfällen“, berichtet Lühdorff.
Darum entschloss sich das Eisenbahnunternehmen, eine neue Bahntrasse zu bauen, die von der heutigen B4 ein Stück entfernt verläuft. Dafür musste der alte Bahnhof vom Quickborner Mühlenberg, wo heute die Grundschule und das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium stehen, zur Feldbehnstraße verlegt werden. Zum ersten Spatenstich zwischen dem Gronau-Hof und der ehemaligen Schlachterei Max Faden reiste eigens der königliche Hofbaurat Direktor Frank am 11. Mai 1911 an, haben die Heimatforscher in alten Archiven entdeckt. Doch der Gleisbau kam nicht so schnell voran wie geplant. Etliche Grundstückseigentümer weigerten sich, ihre Ländereien für die neue Bahnrasse abzutreten. Die angebotenen Entschädigungen würden nicht die Ernteausfälle ausgleichen, klagten sie, so Hans Meier. Doch schließlich setzte sich die Bahngesellschaft durch.
Quickborn brachte die neue Bahntrasse wirtschaftlichen und auch touristischen Aufschwung, wie die Lokalhistoriker berichten. Für den Abtransport des abgebauten Torfs aus dem Himmelmoor war die Bahn enorm wichtig. Und es siedelten sich Unternehmen wie die Margarinefabrik an der Bahnlinie an. Auch die Eiswerke in Quickborn und Bönningstedt sorgten für regen Handel. Der Abtransport der Eisflächen vom Quickborner Elsensee war durch die neue Bahnlinie ideal. Das Eis der Wintermonate wurde in bis zu 70 Kilogramm schweren Eisblöcken eingelagert und im Frühjahr und Sommer zur Kühlung von Lebensmitteln verwendet. Aber auch die Menschen aus der Großstadt nutzten die neue Möglichkeit, um sonntägliche und sommerliche Ausflüge ins Hamburger Umland zu unternehmen. Die Bahn war nun mit 40 km/h doppelt so schnell wie anfangs. Zahlreiche Gaststätten machten darum entlang der Bahnstrecke auf, um die Hanseaten mit Speis und Trank zu bewirten. Für 4,8 Millionen Euro hat die AKN den Bahnhof vor zehn Jahren erneuert. Heute fahren täglich 10.000 Menschen auf dieser Strecke, die man Linie A1 nennt. „Die AKN gehört so selbstverständlich zu unserem Alltag, dass wir ihre Zuverlässigkeit nur wahrnehmen, wenn sie ausnahmsweise einmal nicht funktioniert“, schreibt Hans Maier in seinem Vorwort zur Ausstellung. „Ohne die AKN wäre der Verkehr auf den Straßen viel dichter.“ Dies sei ja auch der Grund, warum alle Kommunen entlang der Strecke fordern, die Bahnstrecke zu elektrifizieren, um dort eine S-Bahn verkehren zu lassen.
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