Von Pferden fürs Leben lernen

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Der norwegische Traber „Sköyer’n“ bringt Teilnehmerin Dagmar Niewerth aus Norderstedt an ihre Grenzen

Die Norderstedterin Dagmar Niewerth testete einen besonderen Volkshochschulkurs in Mönkloh

Von Claudia Blume
Mönkloh Sköyer’n versteht die Welt nicht mehr. Was will die schlanke Frau von ihm? Verunsichert schüttelt der Falbe den Kopf. Dagmar Niewerth weiß auch nicht so genau, was sie will. Eigentlich soll das Pferd nur im Kreis um sie herumtraben. Tut es aber nicht.
„Atme tief ein, mache Dich groß. Sei klar und sicher, was Du willst, konzentriere Dich auf das Tier und stelle es Dir trabend vor“, empfiehlt Frauke Ebsen, die die Szene vom Rand des Reitplatzes beobachtet. Dagmar holt tief Luft und – der Wallach spaziert los. „Das ist schon ein tolles Gefühl, so ein starkes und freies Tier ohne Strick und Peitsche allein durch Körpersprache leiten zu können“, sagt die Norderstedterin.
Frauke Ebsen nickt bekräftigend. Als Seminarleiterin bietet die 51-Jährige, unter anderem bei der VHS Henstedt-Ulzburg, Wochenendkurse auf ihrem Hof in Mönkloh bei Bad Bramstedt an. Motto: „Von Pferden lernen“ Ihre Pferde fungieren als Lehrmeister – doch nicht für dressurmäßige Lektionen, sondern um Menschen deren Stärken und Schwächen zu zeigen und zu Veränderungen anzuregen. „Pferde spiegeln die innere Einstellung des Menschen und ihre Persönlichkeit wieder“, erklärt die Sozialpädagogin, die auch als Psychotherapeutin und Mentaltrainerin arbeitet und zudem den Trainer B-Schein der FN besitzt. „Einem Tier ist egal, ob jemand Geld hat, einen Anzug trägt oder Porsche fährt. Es reagiert lediglich auf das Hier und Jetzt – nicht auf Vergangenheit oder Zukunft.“
Damit hat nun Siegfried zu kämpfen. Unschlüssig steht er in der Mitte des abgeteilten Zirkels und Fino neben ihm. Mit Pferden hat der Henstedt-Ulzburger noch nie zu tun gehabt. Halbherzig wedelt er mit den Händen – das beeindruckt den Schimmel nicht. Im Gegenteil. Nach ein paar Minuten übernimmt kurzerhand das Pferd das Kommando und treibt nun den Menschen vor sich her.
„Fino hat gerade die Chef-Frage geklärt“, erklärt Frauke Ebsen. „Freundlich sein kann jeder, aber Grenzen und klare Signale setzen, ist nicht so leicht.“ Eine Kombination aus Körpersprache und mentaler Stärke ist der Schlüssel zum Erfolg. Nicht nur bei großen Tieren, auch zum Beispiel im Umgang mit Mitarbeitern.
„Läuft etwas nicht rund, nicht darauf beharren, dass der vorgegebene Weg eingehalten werden muss - einfach mal abwenden und eine neue Richtung einschlagen“, empfiehlt die Trainerin. „Es gibt keine Fehler, sondern nur Resultate. Entscheidend ist, wie ich sie bewerte.“
Die Seminarteilnehmer sollen ihre Stärken erkennen und nicht ihre Schwächen fokussieren. Weil sie immer präsent und konzentriert sein musste, fand Dagmar Niewerth das Training mental anstrengend. Dennoch ist sie begeistert: „Was man mit nonverbaler Kommunikation erreichen kann, ist beeindruckend“, resümiert sie. Auf jeden Fall werde sie in Zukunft darauf achten, bewusst mit innerer und äußerer Aufrichtung zu stehen und zu gehen, nicht mehr so nachgiebig zu sein und Grenzen zu setzen.
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