Vortrag: Wenn der Verstand erkrankt

Wann? 05.04.2017

Wo? Rathausallee 50, Rathausallee 50, 22846 Norderstedt DE
Anzeige
Ulrich Mildenberger (l.) und Oberarzt Florian Gal informieren am 5. April in Norderstedt über die Demenzerkrankung Foto: Fuchs
Norderstedt: Rathausallee 50 |

Experten sprechen über Diagnose und Hilfsangeboten bei Demenz in Norderstedt

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt
Die Diagnose kann ebenso hart und niederschmetternd wie familienbelastend sein. Immer mehr Menschen leiden an Demenzerkrankungen. Allein in Norderstedt sind es bereits 1500, kreisweit etwa 4000 Betroffene, sagt Ulrich Mildenberger vom Pflegestützpunkt und der Alzheimer-Gesellschaft Norderstedt-Segeberg. „Die Zahl hat sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt.“ Damit Betroffene und vor allem Angehörige wissen, wie sich diese Krankheit des Gehirns ankündigt und entwickelt und welche Angebote es an Therapien und Hilfsmöglichkeiten gibt, lädt Mildenberger für Mittwoch, 5. April zu einem medizinischen Vortrag „Diagnose Demenz“ in den Plenarsaal des Norderstedter Rathauses ein, der 18.30 Uhr beginnt und kostenlos ist.

Demenzkranker vergisst, dass er vergisst

Erstmals ist es Mildenberger gelungen, mit dem leitenden Oberarzt Florian Gal das Psychiatrische Zentrum in Rickling bei Bad Segeberg als Partner für die Veranstaltung zu gewinnen. Die zunehmende Vergesslichkeit im Alter sei eine ganz normale Erscheinung, die uns alle treffen könnte, erklärt der Mediziner. Der Unterschied zur Demenz liege darin, dass der Erkrankte nicht weiß, dass und warum er sich nicht mehr daran erinnern kann. „Der Demenzkranke vergisst, dass er es vergisst. Es ist eine Krankheit des Verstandes.“ Wenn ein gesunder Mensch plötzlich im Keller steht und sich wundert, was er da eigentlich wollte, sei das ein Streich, den ihm sein Kurzzeitgedächtnis spiele. Ihm falle aber mit ein wenig Nachdenken und Reflektieren schnell wieder ein, was er da eigentlich erledigen wollte. Ein demenzkranker Mensch könne das nicht mehr.

Achterbahnfahrt der Gefühle

Darum sei es für viele betroffene Familien auch eine Erleichterung, wenn sie wüssten, weshalb der Partner, Mutter oder Vater plötzlich ständig alles vergesse. Dazu sei aber eine klinische Untersuchung nötig. Die Demenzerkrankung selbst sei dann aber nicht mehr aufzuhalten, erläutert der Mediziner. Sie schreite permanent fort, ziehe später auch Langzeitgedächtnis, Orientierung und motorische Fähigkeiten des Patienten in Mitleidenschaft. Wichtig sei, dass sich die Angehörigen des Demenzerkrankten nicht allein gelassen fühlten, für die es oft „eine Achterbahnfahrt der Gefühle“ sei, betont Mildenberger. Der Pflegestützpunkt biete kreisweit von Norderstedt über Kaltenkirchen bis Bad Segeberg kostenlose Angehörigentreffen und –schulungen an, die jedes Jahr von etwa 100 Teilnehmern besucht werden. Es gebe zahlreiche Kultur-Veranstaltungen, die Betroffene mit Angehörigen besuchen könnten. Und zumindest auch in Norderstedt böten drei Einrichtungen Tagespflegeplätze an, die sich um Demenzerkrankte kümmern, wenn Angehörige von der aufreibenden Ganztagsbetreuung ihrer Lieben eine Auszeit brauchen.

Der Vortrag „Diagnose Demenz“ beginnt am Mittwoch, 5. April, um 18.30 Uhr im Plenarsaal des Norderstedter Rathauses und dauert etwa 90 Minuten. Der Eintritt ist frei.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige