Wirtschaft macht Schule

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Schulleiter Gerhard Frische, Lehrer Thorsten Böhm und Torben Flohr (Handwerkskammer Lübeck) sowie Nina Becker (Sparkasse Holstein) bei der Unterzeichnung der KooperationsvereinbarungFoto: Fuchs

Gymnasium Harksheide und Handwerkskammer kooperieren

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt. Bei der beruflichen Bildung seiner 900 Schüler wird das Gymnasium Harksheide in Norderstedt jetzt neue Wege einschlagen. Schulleiter Gerhard Frische und Nina Becker von der Sparkasse Holstein unterzeichneten einen Kooperationsvertrag, der künftig einen fachlichen Austausch bei der Berufsfindung, Praktika-Plätze, Bewerbungstrainings und weitere Angebote für die mögliche Berufsausbildung der Oberschüler regelt.
Eingefädelt hat diese Vereinbarung Torben Flohr von der Handwerkskammer Lübeck, die in fünf Kreisen Schleswig-Holsteins bereits 230 solcher Kooperationen zwischen Schulen und Wirtschaftsbetrieben ermöglicht habe, wie Flohr sagte. „Aber Norderstedt war bislang ein weißer Fleck für uns.“ Die Norderstedter Entwicklungsgesellschaft hatte den Kontakt hergestellt.
Berufsbildung für Schüler
Die berufliche Ausbildung werde für seine Schüler immer wichtiger, begründete Schulleiter Frische diese Vereinbarung. Etwa die Hälfte der Schulabgänger wähle ein Universitätsstudium. Aber der Anteil jener Abiturienten, die eine Ausbildung machen oder ein duales Wirtschaftsstudium absolvieren wollten, steige an. „Darum ist es wichtig, dass unsere Schüler frühzeitig Einblicke in die Berufswelt erhalten.“ Zwar gebe es schon jetzt vereinzelt Kontakte, meist über die Eltern, zu bestimmten Firmen. „Dies muss aber
intensiviert werden und für alle Schüler gelten.“
Geplant sei nun, dass die Schüler des Gymnasiums Harksheide von der achten Klasse an von den Fachleuten der Sparkasse Holstein im Deutschunterricht gezielt Bewerbungstrainings erhielten, sagte der verantwortlicher Lehrer Thorsten Böhm. Das solle ihnen bei der Suche nach einem zweiwöchigen Praktikumsplatz bei einem Unternehmen in der neunten Klasse helfen. Anschließend seien Assessment-Center geplant, das sind Auswahlverfahren mit Wettbewerbscharakter, die vor allem große Betriebe heute einsetzen, um aus den Bewerbern die richtigen für ihre Zwecke herauszufiltern. „Der Bedarf für diese engere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist eindeutig da“, so Böhm. Ein zweites Wirtschaftspraktikum folgt in der elften Klasse an.

Weniger Auszubildende

Dabei seien es vor allem die Firmen, die diese Kooperationen mit Schulen suchten, stellte Handwerkskammer-Berater Flohr dar. Der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftemangel zeige Wirkung. „Viele Betriebe sind deutlich aufgeschlossener für solche Vereinbarungen, die ihnen qualifizierte Mitarbeiter für die Zukunft versprechen.“ Diese Aussage bestätigt Nina Becker von der Sparkasse Holstein, die von Bad Oldesloe aus 35 Filialen betreut. „Die Zahl der Bewerber ist bei uns stark gesunken. Darum vergeben wir unsere Lehrstellen jetzt auch das ganze Jahr hindurch.“
Hinzu komme, so Flohr, dass die Unternehmen auf diese Weise direkteren Einfluss auf den Unterrichtsstoff nehmen können und diesen wirtschaftsfreundlicher gestalten. Diese Kooperationen zwischen Unternehmen und Schulen im Land werden seit 2006 von der Landesregierung in Kiel gefördert.
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