„Zahl der Kräfte reicht nicht“

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Die fünf Gäste, alle aktiv bei der Flüchtlingsarbeit engagiert, stellten sich bei der Podiumsdiskussion im Vicelin-Haus den Fragen des Moderators Andreas Käckell Foto: ut

Podiumsdiskussion im Vicelin-Haus über die Flüchtlingssituation in Norderstedt

Von Ulrich Thiele
Norderstedt
Mehr als 200 interessierte Bürger erschienen vergangene Woche, als die Kirchengemeinde Vicelin-Schalom zur Podiumsdiskussion ins Vicelin-Haus (Lütjenmoor 13) lud. Es ging um die Situation der Flüchtlinge in Norderstedt. Fünf Podiumsgäste waren als Gäste eingeladen, der Journalist Andreas Käckell moderierte die Veranstaltung. Sozialdezernentin Anette Reinders, Jugendamtsmitarbeiterin Nicole Kuhlmann-Rode-wald, Flüchtlingsratsmitglied Martin Link, Dr. Susanne Dähn, Mitarbeiterin beim Willkommens-Team, und Vicelin-Pastor Christian Stehr, die allesamt nah am aktuellen Geschehen sind, wurden einzeln interviewt. In einem Punkt waren sie sich einig: „Das Willkommen-Team ist mehr als nur eine Idee voraus“, lobte Anette Reinders. „Das ist eine Bewegung, die die Bürger miteinbezieht und sich dauerhaft halten konnte. Wie die Bevölkerung Norderstedts mitmacht, ist echt klasse.“
Dennoch äußerte das Publikum in der anschließenden Diskussion Bedenken. Reichen die Kapazitäten angesichts der vielen Neuankömmlinge? Können wir den Flüchtlingen überhaupt eine zufriedenstellende Perspektive bieten? Wie verhält es sich mit dem Umgang mit Frauen? Wie wirkt sich der Flüchtlingsstrom auf die Kita-Plätze aus? Geraten die Ehrenamtlichen nicht an ihre Grenzen?
Die Stadt arbeite „mit Hochdruck“ und schaffe gerade 1.000 neue Plätze, merkte Anette Reinders an. „Sprache, Beruf und Wohnung: Das sind die drei wichtigsten Faktoren bei der Integration“, so die Sozialdezernentin. „Wir können das schaffen, aber wir müssen auch die Weichen stellen und gerade was den Sektor Beruf angeht, sind wir in der Gesellschaft und die Jobcenter nicht gut aufgestellt.“
Es herrsche „großes Interesse an nachhaltiger Berufsintegration bei uns, da wir in Zukunft in Schleswig-Holstein ein großes Arbeitnehmerdefizit haben werden“, so Martin Link, Geschäftsführer des Flüchtlingsrats Schleswig-Holstein. Das Thema Kita-Plätze sei bis jetzt noch kein Problem, da nur wenige Kinder unter sechs Jahren in Norderstedt sind, doch die Kita-Bedarfsplanung müsse im Blick behalten werden.
An Integrationsbereitschaft mangele es laut Willkommen-Team-Mitarbeiterin Dr. Susanne Dähn auf Seiten der Flüchtlinge jedenfalls nicht. „Unsere Erfahrung zeigt, dass die Flüchtlinge geistig flexibel sind und sich anpassen wollen. Eins sei aber sicher: „Angesichts der wachsenden Zahl an Asylsuchenden, reichen die derzeitig dort beschäftigten Mitarbeiter und Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe nicht aus“, so Dr. Susanne Dähn.
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