Zuflucht Campingplatz

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Die Campingzeit ist vorüber: Hobby-Radler Jens Buß verlässt den Ulmenhof in Götzberg.Fotos: Jaeger

Nicht alle Camper sind Urlauber: Mancher lebt aus sozialer Not im Wohnwagen

Henstedt-Ulzburg. Maurice Greve (25) hat es sich auf einem Gartenstuhl bequem gemacht und schaut in die Ferne. Niemals hätte er es sich träumen lassen, dass er eines Tages mittel- und arbeitslos auf einem Campingplatz in einem alten Wohnwagen leben würde. Genau das tut er aber seit vier Monaten. Eine Wohnung kann sich der gelernte Koch, der im SOS Kinderdorf in Norderstedt aufwuchs und zuletzt in einer Mansardenwohnung in Henstedt-Ulzburg lebte, nicht mehr leisten. Denn vor einigen Monaten traf ihn ein harter Schicksalsschlag – Maurice erlitt einen Schlaganfall.
Er hat sich gut erholt, aber arbeiten kann er zur Zeit nicht. Bis er einen neuen Job findet, wird Maurice in seinem Wohnwagen, den er sich von seinen Ersparnissen gekauft hat, bleiben. Worauf Maurice Greve hofft, das hat ein anderer Dauercamper vom Ulmenhof gerade geschafft. „Es war eine schöne Zeit, doch jetzt beginnt der Ernst des Lebens“, sagt Jens Buß. Der 53 Jahre alte Maschinenbau-Ingenieur aus Henstedt-Ulzburg lebte fünfeinhalb Jahre hier. Jetzt steigt er wieder ins Berufsleben ein. Er hat sich als Gebäude-Energieberater selbständig gemacht. Der Umzug nach Neumünster hat einen besonderen Grund. „Über eine Singlebörse im Internet habe ich eine Frau gefunden, wir wollen sesshaft werden“, sagt Buß. Vor sechs Jahren, als er seinen gut bezahlten Job beim Thyssen-Konzern in Hamburg verlor, hatte es ihn gepackt. Er kaufte sich einen Wohnwagen und suchte sich auf dem Ulmenhof ein schönes Plätzchen.
Nicht finanzielle, sondern private Gründe hätten zu dieser Entscheidung geführt, so der zweifache Familienvater, der damals frisch geschieden war. Er machte seinen Wohnwagen zu einem gemütlichen Heim. An einer Wand hing ein Schild mit der Aufschrift: „Lass es krachen und beben und genieße das Leben.“ Das hat Jens Buß jahrelang gemacht. Der Hobbyradler kannte keine Langeweile und keine Einsamkeit. Für ihn war Aussteiger-Camping eine besondere Art von Lebenseinstellung. „Hier konnte ich tun und lassen was ich wollte, ohne jemandem Rechenschaft ablegen zu müssen“, sagt er. (rj)
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