Ein Ort zum Trauern

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Stephan Jansing, Mitarbeiter beim Friedhof Garstedt, berichtet, dass es dort eine Grabstelle für Sternenkinder gibt

Grabstelle für Sternenkinder eröffnet

Norderstedt Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind, werden Sternenkinder genannt. Der Verlust eines Kindes ist eine so schmerzhafte Erfahrung, dass betroffene Eltern jede nur erdenkliche Hilfe benötigen, um sie verkraften und vor allem verarbeiten zu können. Einige Friedhöfe in Hamburg bieten schon seit längerem besondere Feiern für Sternenkinder an. Zentralster Ort dafür ist der Friedhof Hamburg-Ohlsdorf, auf dem jedes Jahr Ende September eine Gedenkfeier stattfindet. Auch in Norderstedt haben Eltern auf dem Garstedter Friedhof nun die Möglichkeit, totgeborene Kinder, auch Embryos unter 500 Gramm, zu beerdigen. Diese waren bislang nicht die bislang nicht bestattungspflichtig waren. Eine Gesetzesänderung macht das jetzt möglich.
„Es gibt eine Fläche mit bodenbedeckenden immergrünen Pflanzen“, erklärt Friedhofswärter Stephan Jansing. Ein Grabmal in der Form von Bauklötzern macht diese Grabstätte zu einer Begegnungsstätte, wo Eltern mit Menschen zusammentreffen können, die ein ähnliches Schicksal erlebten.
„Wir wollen versuchen, auf diesem Wege den leidgeprüften Menschen über die schwere Zeit zu helfen“, bietet der Friedhofswärter an. Schätzungen zufolge gibt es pro Jahr rund 1.500 Fälle von Kindern, die tot oder nicht lebensfähig geboren werden. Bisher galten Jungen und Mädchen unter 500 Gramm als Fehlgeburten und wurden nicht beim Standesamt registriert.
„Diese Kinder sind real, sie haben es verdient, als wirkliche Kinder anerkannt zu werden. Sie finden nicht nur einen Platz im Herzen ihrer Eltern, sondern auch auf unserem Friedhof“, sagt Jansing.
Auch Tatjana Petrowksi hat der Ort für Sternenkinder auf dem Friedhof Garstedt geholfen, mit ihrem Verlust fertig zu werden. „Mir hat es unendlich Kraft gegeben, mit anderen Betroffenen über den Tod meines Sohnes zu sprechen. Trauerarbeit, auch an einem Grab, ist immens wichtig“, sagt sie. Tanja Petrowski verlor ihren Sohn Kjell mit drei Jahren. Zwei weitere Kinder sind schwer erkrankt.
Bundesweit müssen 23.000 Familien mit der Gewissheit leben, dass ein Kind das Erwachsenenalter nicht erreichen wird. Auf ihrem Weg durch diese Belastungssituationen mit existentiellen Ausmaßen helfen Kinderhospizdienste und stationäre Kinderhospize. Im Kreis Segeberg greift ein derartiges Netz nicht. Erste Anlaufstelle für Betroffene aus der Region ist das Hamburger Kinderhospiz „Sternenbrücke“ und das Theodorus Kinder-Tageshospiz.
„Jedes Jahr sterben etwa 5.000 junge Menschen an unheilbaren Krankheiten. Man denkt, so etwas wird einen nie betreffen“, sagt Tanja Petrowski. „Etwa 500 Kinder leben im Hamburger Raum in dieser Situation. Ich habe mich entschlossen, im Familienhafen Hamburg, dem ersten ambulanten Kinderhospizdienst
für den Großraum Hamburg mitzuarbeiten und anderen Betroffenen zu helfen“. (tj)
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