Neue Chance für Migranten

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Elisa Doku (rechts) aus Rumänien und Hypatia Figueroa Guerrero aus Mexiko wollen mit dem Praxis-Deutsch-Kurs von VHS und Jobcenter endlichen einen Job finden. Foto: Fuchs

Pilotprojekt: „Praxis Deutsch und Berufseinstieg“

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt. Sie sind weit gereist, oft gut ausgebildet und haben studiert und verfügen über einen anderen kulturellen Hintergrund. Und doch sind viele Migranten in ihrer neuen Wahlheimat Deutschland gesellschaftlich nicht integriert und arbeitslos. Das liegt zum einen daran, dass die Ausbildung in ihrem Heimatland hier nicht anerkannt wird. Und auch daran, dass sie die deutsche Sprache nicht richtig beherrschen.
Darum hat die Volkshochschule Norderstedt jetzt zusammen mit dem Jobcenter des Kreises Segeberg das Pilotprojekt „Praxis Deutsch und Berufseinstieg“ aufgelegt, das gezielt Einwanderern den Einstieg in das Berufsleben erleichtern soll. Der erste Kursus mit 22 Teilnehmern im Alter von Mitte 20 bis Anfang 60 aus Mexiko, Albanien, Türkei, Russland und Italien ist gerade angelaufen, berichtet VHS-Leiter Klaus Bostelmann. „Unser Ziel ist es, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, dass schlechte Sprachkenntnisse zu Problemen bei der Arbeitssuche führen, die wiederum die Integration erschweren und den Spracherwerb behindern.“
Wie notwendig diese Programme sind, erläutert Stefan Stahl, Bereichsleiter des Jobcenters in Kaltenkirchen.
Während Ende Januar 651 der 6984 gemeldeten Arbeitslosen im Kreis Segeberg (9,3 Prozent) Ausländer waren, waren es bei den Hartz-IV-Empfängern 503 von 3926 Menschen (12,8 Prozent).
62 Prozent der inländischen Arbeitslosen sind also länger als ein Jahr ohne Beschäftigung. Bei den Migranten sind es schon 77 Prozent. Bundesweit liegt der Anteil der arbeitslosen Migranten mit 15,8 Prozent der 16 Millionen Einwanderer doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung (7,7 Prozent). In dem sechsmonatigen Deutschkursus mit 730 Unterrichtsstunden lernen die Teilnehmer vor allem berufsspezifische Deutschkenntnisse, erhalten gezielte Unterstützung für sämtliche Bewerbungsunterlagen und werden in Betriebspraktika geschult, erklärt Kursleiterin Cornelia Ascher. Bis Ende 2013 könnten noch weitere drei Halbjahreskurse angeboten werden.
Voraussetzung sei allerdings, dass die Teilnehmer schon über Grundkenntnisse in Deutsch verfügten, wie sie der 600-stündige Integrationskurs biete. Elisa Doku (27) aus Rumänien und Hypatia Figueroa Guerrero aus Mexiko erhoffen sich von diesem Kursus endlich ein Ende ihres beschäftigungslosen Lebens.
Beide sind hochqualifiziert und haben studiert. Elisa Doku ist Geologin und Hypatia Figueroa Guerrero ist Biologin. Doch ihr Studium werde hier nicht anerkannt.
Aber auch außerhalb ihres Fachgebiets haben die jungen Frauen noch keine Arbeit gefunden. „Wir wollen endlich einen bezahlten Job haben.“ (bf)
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