„Spanisches Flair“ in der Altenpflege

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Ana Rosas (rechts) aus Malaga arbeitet seit acht Monaten im Dana-Altenheim Klingenberg, in der sie auch Seniorin Inge Arpe betreut.Foto: Fuchs

Dana Senioren GmbH erwirkt, dass zu hohe sprachliche Hürden für Fachkräfte aus Südeuropa zurückgenommen werden

Von Burkhard Fuchs

Quickborn. Zu Beginn des Jahres schien es, als ob die Dana GmbH den Schlüssel gefunden hätte, wie der Pflegenotstand gelöst werden könnte. Die Senioreneinrichtung mit Sitz in Hannover, die 17 Altenheime im Norden betreibt, davon zwei in Quickborn, hatte 14 frisch examinierte Krankenschwestern und Pflegekräfte aus Andalusien angeworben. Zwei von ihnen, Ana Rosas und Mari Rivero, beide 25, arbeiten seit Februar im Altenheim Klingenberg in Quickborn. Im April machte plötzlich eine Verschärfung der Anforderung an die Sprachkenntnisse dieser spanischen Altenpflege-Mitarbeiterinnen einen Strich durch diese Spanien-Lösung. „Das von vielen Seiten gelobte Dana-Projekt drohte zu scheitern“, sagt Prokuristin Angela Fronhoff-Zinke.
Doch jetzt konnte Dana sich in monatelangen Verhandlungen mit den Landesregierungen in Hannover und Kiel auf eine Kompromisslösung einigen. Für Niedersachsen sei diese bereits in Kraft. „Wir werden sie jetzt auch schnell für Schleswig-Holstein umsetzen“, sagt Frank Strutz, Sprecher des Sozialministeriums. Den Kern der Einigung hatte seine Chefin, Ministerin Kristin Alheit, auf den Punkt gebracht: „Eine Altenpflegerin muss nicht Heinrich Heine zitieren können. Sie muss wissen, wie eine Dekubitus-Prophylaxe funktioniert, wie also die Druckstellen pflegebedürftiger alter Menschen zu behandeln sind.“
Bundesweit gebe es 30.000 offene Stellen in der Altenpflege, sagt Dana-Prokuristin Fronhoff-Zinke. Allein in Schleswig-Holstein, wo 28.300 Altenpflegerinnen in 664 Einrichtungen arbeiten, würden bis 2020 etwa 11.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt.
Darum hatte Johann Weigert, Leiter des Qualitätsmanagements der Dana-Gruppe, seine guten Kontakte nach Südspanien genutzt, um dort frisch ausgebildete Pflegekräfte vor der Arbeitslosigkeit zu retten. Jede Woche bekäme er vier neue Bewerbungen von jungen Spanierinnen auf den Tisch, die gerne bedürftige deutsche Senioren pflegen möchten.
Doch seit April musste er den meisten wieder absagen. Die Landesregierungen in Kiel und Hannover forderten plötzlich einen Sprachnachweis der mittelschweren Stufe B2 von den Fachkräften. Diese Qualifikation sollten die ausländischen Fachkräfte bereits vor der Einreise nach Deutschland abgelegt haben. „Eine viel zu hohe Hürde, unmöglich zu erfüllen“, sagt Martina Bialas von der Qualitätssicherung bei Dana. Die meisten Bewerberinnen kämen aus ländlichen Regionen Spaniens und könnten sich auch finanziell diese Sprachkurse vorab nicht leisten. Dabei brächten sie die höchste Qualifikation für die Aufgabe mit.
Die nun gefundene Übereinkunft besagt, dass die spanischen Pflegekräfte hier in Deutschland neben ihrer Arbeit einen sechsmonatigen berufsbegleitenden Deutschkurs ablegen können. Ministeriumssprecher Strutz betont aber: „Bei den fachspezifischen Sprachkenntnisse wird es keine Abstriche geben.“
Das deckt sich mit den Erfahrungen und Anforderungen im Altenheim Klingenberg. „Für die strenge Dokumentation der Versorgung unserer Bewohner müssen natürlich die fachlichen Sprachkenntnisse stimmen“, sagt Heimleiterin Anke Weber. Ihre beiden Schützlinge Mari und Ana hätten in den acht Monaten, die sie jetzt hier sind, aber längst darüber hinaus die deutsche Sprache gelernt. „Ich habe mich hier in Quickborn sehr gut eingelebt“, sagt Ana Rosas, ohne dass sie einen Dolmetscher bräuchte. Sie freut sich, dass sie hier Arbeit gefunden hat.
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