Sozialarbeit zweiter Wahl?

Anzeige
Daniel Buhrke und die Fußballer des SSC Phoenix Kisdorf bekommen im nächsten Jahr ein Problem, wenn sie ein Viertel der Betriebskosten am Strietkamp selber zahlen müssen. Foto: Maibom

BSV Kisdorf soll sich an den Betriebskosten beteiligen

Kisdorf. Sport und Kisdorf, das ist so ein Thema für sich. Jüngst machte der SC Kisdorf mit einer Insolvenz, die vielleicht sogar verschleppt wurde, negative Schlagzeilen. Der Verein wurde aufgelöst. Doch auch bei einem der beiden Nachfolgevereine, dem BreitenSportVerein Kisdorf, kehrt nur mühsam Ruhe ein. Nun hat der 1.Vorsitzende den Nutzungsvertrag für die Amtssporthalle Kisdorf unterschrieben, um seinen rund 400 Mitgliedern das Sporttreiben zu ermöglichen. Doch nicht ohne einen bedenkenschweren Brief dem Vertrag beizulegen. Zentraler Aufreger ist dabei die Tatsache, dass der BSV Kisdorf und auch die ehemaligen Fußballer, die inzwischen im SSC Phoenix Kisdorf organisiert sind, ab 2013 Bewirtschaftungskosten für die Sportanlagen zu zahlen haben. Der Nutzungsvertrag sieht vor, dass der SSC Phoenix Kisdorf die Sportanlage am Strietkamp und der BSV Kisdorf die Amtssporthalle in diesem Jahr kostenfrei nutzen können. Im nächsten Jahr trägt die Gemeinde dann nur noch 75 Prozent der Bewirtschaftungskosten. In den Jahren danach wird der Gemeindeanteil anhand der Haushaltslage ermittelt. Im schlechtesten Falle könnten dann die beiden Vereine auf den gesamten Kosten sitzenbleiben. Für den Strietkamp waren da gut 30.000 Euro ermittelt worden, für die Amtssporthalle knapp 18.000 Euro. Im besten Falle müssten beide Vereine nichts zahlen.
„Dieser Passus gefährdet möglicherweise die Existenz des BSV Kisdorf“, hatte BSV-Vorsitzender Volker Wöbber moniert. „Die Gemeinde wird den Sportverein immer unterstützen, wir werden sie nicht fallen lassen“, hatte Kisdorfs Bürgermeister Reimer Wisch dagegengehalten. Kisdorf würde nicht tatenlos zusehen, wenn hunderte von Jugendlichen auf der Straße zu stehen drohten.
Doch warum will die Gemeinde Kisdorf eine Betriebskostenbeteiligung? Bürgermeister Wisch argumentiert, dass so die Sportvereine zum sparsamen Umgang mit den Ressourcen wie Strom und Wasser animiert würden. Außerdem könne die Gemeinde doch keinen Freibrief für die Vereine ausstellen. „Wenn der Gemeindehaushalt in Schieflage gerät, können wir den Sportvereinen doch nicht signalisieren, dass sie einfach so weitermachen können wie bisher. Das ist wirtschaftlich nicht vertretbar“, sagt Reimer Wisch. Warum aber andere Vereine und Organisation in Kisdorf für die Nutzung gemeindlicher Örtlichkeiten auch weiterhin keine Betriebskostenbeteiligung zahlen müssen, wollte Wisch auf Nachfrage nicht beantworten. Sein Kommentar: „Es geht nur um den Sport. Der Rest steht nicht zur Diskussion.“ Das ist starker Tobak. Zwei Sportvereine, die mit ihrer Arbeite rund 500 Jugendliche im Ort betreuen, werden mit dieser Regelung zu Sozialarbeitern zweiter Wahl degradiert. 500 Jugendliche sind etwa so viele, wie die Schule Kisdorf Schüler hat. Andere Vereine, die nur ein Bruchteil der Bevölkerung erreichen, werden hingehen vollwertig unterstützt. „Wir gönnen jeder Einrichtung, die sich für Kisdorfer Bürger einsetzt, die Zuwendungen der Gemeinde“, sagt Volker Wöbber. Aber er wünscht sich eine stärkere Anerkennung des Sports. Der BSV Kisdorf sei bereit, eine Betriebskostenbeteiligung zu zahlen, wünsche sich aber eine Art Obergrenze im Vertrag.
Diese Betriebskostenbeteiligung ist übrigens einmalig im Umkreis der Gemeinde. In Kaltenkirchen zahlt beispielsweise die Kaltenkirchener TS keinen Cent für die Nutzung der Schulsporthallen. Nur für die rein vom Sportverein genutzten Objekte wie die Tennishalle hat der Verein die Betriebskosten zu zahlen. In Henstedt-Ulzburg und Norderstedt sieht es ähnlich aus. Reimer Wisch ficht das nicht an. „Wir machen unseren Haushalt und die anderen Städte und Gemeinden ihren“, argumentiert der Bürgermeister.
(tm)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige