Das verschmähte Paradies

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Langenhorn. Ein Jahr ist es her, da berichtete das WochenBlatt über ein seltenes Phänomen in Langenhorn. Da gibt es mitten im Stadtteil ein Paradies. Eine Insel der Seligen, auf die man lebend gelangen könnte. Doch keiner will dort hin. Wo seit Jahren eine Idylle für Kleingärtner vorgesehen ist, herrscht das Gesetz des Urwalds. So wild wie vor einem Jahr und heute wieder war es dort aber nicht immer. Bis in das Jahr 2005 bearbeiteten seit mehr als 40 Jahren an dieser Stelle Pächter ihr von der Stadt angemi
Hamburg: An der Holzbrücke am Krohnstieg- Stausee, da wo Tarpenbeck und Bornbach zusammenfließen |

Kommentar von Franz Josef Krause zum Wildwuchs auf ungenutzten Garten-Parzellen am Bornbach

Langenhorn. Ein Jahr ist es her, da berichtete das WochenBlatt über ein seltenes Phänomen in Langenhorn. Da gibt es mitten im Stadtteil ein Paradies. Eine Insel der Seligen, auf die man lebend gelangen könnte. Doch keiner will dort hin. Wo seit Jahren eine Idylle für Kleingärtner vorgesehen ist, herrscht das Gesetz des Urwalds. So wild wie vor einem Jahr und heute wieder war es dort aber nicht immer. Bis in das Jahr 2005 bearbeiteten seit mehr als 40 Jahren an dieser Stelle Pächter ihr von der Stadt angemietetes ‚Grabeland‘.
Als 2004 beschlossen wurde, den Bornbach zu renaturieren, wurde seitens der Verwaltung der Beschluss gefasst, die Möglichkeit der vierteljährlichen Kündigung zu nutzen. Das Gelände wurde neu in 24 Parzellen von ca. 300 qm aufgeteilt und der Obhut des Landesbundes der Gartenfreunde in Hamburg e.V. unterstellt. Die Altpächter des Geländes, die ursprünglich ein Vorgriffsrecht auf die neu geschnittenen Parzellen angestrebt hatten, übernahmen aus den verschiedensten Gründen letztlich keine einzige Parzelle. Hinter den vom Landesbund angelegten Hainbuchenhecken machte sich Natur breit. Ehemalige Gartenblumen und Wildkräuter wetteifern nun im ‚Kleingartenpark‘ mit Brombeeren und altem Streuobstbestand. Im Dezember 2011berichtete Dirk Sielmann, Geschäftsführer Landesbund der Gartenfreunde in Hamburg e.V., in einem Gespräch mit dem WochenBlatt, dass nach Ende der Frostperiode dem Wildwuchs mit schwerem Gerät zu Leibe gerückt wird. Allerdings sind diese Arbeiten ausgeblieben. Selbst Profis hatten offensichtlich Probleme mit dem Wildwuchs. Also stehen alle 24 Parzellen weiterhin leer.
Das ist umso erstaunlicher, als heute von erfahrenen Vereinsvorsitzenden zu hören ist, dass ansonsten die Zeit der Leerstände vorbei ist; dass es in Langenhorn sogar Wartelisten gibt. Nur am Bornbach, da wartet keiner. Dabei gäbe es mit Sicherheit ausreichend Interessenten für die 24 schmucken Grundstücke. Nur die würden hier keinen Kleingarten, sondern ein Wohnhaus errichten wollen. Das geht aber so leicht nicht.
Denn strenge Gesetzte schützen in Hamburg das Land der Gartenfreunde. Selbst dann, wenn sie es, wie in diesem Fall, seit vielen Jahren gar nicht nutzen wollen. Dafür zahlt der Landesbund – und damit alle anderen Kleingärtner – lieber Pacht und Minimalpflegekosten für das ungeliebte Land. Die Logik ist nicht nachzuvollziehen: Da gibt es mit guter Verkehrsanbindung in Hamburg mögliches Bauland für 24 Familien in Stadteigentum. Die Nachfrage nach ‚bezahlbarem‘ Wohnraum ist riesig. Doch am Bornbach tut sich nichts.
Wie lange wollen Politik und der Landesbundes der Gartenfreunde in Hamburg e.V. hier noch tatenlos bleiben? Das legendäre Schilda hat offensichtlich viele Ableger – auch einen in Hamburg-Langenhorn.
Franz Josef Krause
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