Hamburger Mühlenkamp: Ärger, Wut, Enttäuschung

Anzeige
Über 500 Anwohner drängten in die Große Halle des Goldbekhauses, um die entscheidende Sitzung zur Zukunft des Mühlenkamps mitzuverfolgen. Viele fanden keinen Platz mehr in der Halle. Foto: Hanke

Über 500 Winterhuder kamen zur finalen Entscheidung zur Busbeschleunigung am Mühlenkamp. Viele Forderungen der Bürger wurden nicht erfüllt

Winterhude. Die Entscheidung über die Zukunft des Mühlenkamps: der Regionalausschuss Eppendorf/Winterhude beschloss am 17. März in der überfüllten Großen Halle des Goldbekhauses mit den Stimmen von SPD und FDP - gegen die Mehrheit der anwesenden über 500 Anwohner und interessierten Bürgerinnen und Bürger:
- Aufhebung des Linksabbiegers vom Mühlenkamp in die Gertigstraße und Umlenkung des Verkehrs aus dem Poelchaukamp in Richtung Barmbek durch die Semperstraße
- Umwandlung der Preystraße in eine Einbahnstraße von der Schinkelstraße in den Mühlenkamp unter Beibehaltung der Fahrtrichtung Schinkelstraße auf den ersten 50 Metern ab Mühlenkamp, um Anlieferung für einen Supermarkt und das Ärztehaus zu gewährleisten
- Verlängerung der Bushaltestelle Gertigstraße stadtauswärts unter Verlust von zwei Bäumen und Parkplätzen
- Anlage eines baulich gestalteten Mittelstreifens im Mühlenkamp
- Umsetzung der Maßnahmen ab Herbst 2014 auch in der Vorweihnachtszeit

Einstimmig beschlossen wurden:
- Anlage von farbig markierten Fahrradschutzstreifen an beiden Seiten des Mühlenkamps
- Aufgabe des Linksabbiegers vom Mühlenkamp in die Preystraße
- Einführung von Tempo 30 in Mühlenkamp und Gertigstraße
- Einführung von Kurzzeitparken
- Umrüstung der Ampeln, verkehrsabhängig und unter Berücksichtung der Busbeschleunigung

Über 500 Anwohner und interessierte Bürgerinnen und Bürger verfolgten die erneuten Diskussionen um den Mühlenkamp im Saal, der die Anwesenden nicht fassen konnte, und davor. Über eine Lautsprecheranlage konnten diejenigen, die nicht mehr in den Saal gelassen werden konnten, die Ausschusssitzung im Hof des Goldbekhauses mitverfolgen. Es herrschte eine aufgeregte Stimmung, wie bei wegweisenden großen Entscheidungen der Politik. Wut, Ärger und Enttäuschung über die Äußerungen der SPD und von Roland Hansen, im Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer zuständig für die Busbeschleunigung, der die Positionen der zuständigen Fachbehörde vortrug, machten sich wie in den Sitzungen zuvor immer wieder Luft. Die anwesenden Anwohner fühlen sich verschaukelt. Viele ihrer Vorschläge und Kritikpunkte, die in mehreren Ausschusssitzungen, am Runden Tisch und in PlanungswerkstŠtten vorgetragen worden waren, fanden auch in dieser abschließenden Sitzung keine Berücksichtigung. So wurden Roland Hansen und Jan Freitag, der Sprecher der SPD, immer wieder unterbrochen, mit Zwischenrufen wie "Blödsinn" und Schlimmeren bedacht.
Umgekehrt konnte sich CDU-Sprecher Christoph Ploß des tosenden Beifalls der Anwesenden sicher sein, wenn er gesprochen hatte. Die CDU hatte die Positionen der Initiative "Unser Mühlenkamp" weitgehend übernommen. Angesichts der Ablehnung von Anliegen durch SPD und FDP, die den Anwohnern sehr am Herzen lagen, wie der Aufhebung des Linksabbiegers in die Gertigstraße oder der Vergrößerung der Bushaltestelle Gertigstraße, fand Ploß starke Worte in Richtung SPD und Fachbehörde. "Das ist eine Katastrophe. Nicht ein Punkt, der für Ärger gesorgt hat, wurde aufgenommen und geändert. Das ist überhaupt nicht tragbar", kommentierte der CDU-Politiker die Positionen von SPD und Behörde.
Auch Kai Elmendorf von den Grünen kritisierte diese Positionen: "Viele Punkte sind nicht berücksichtigt worden, die den Bürgern wichtig sind. Die vielen guten Ideen des "Runden Tisches Mühlenkamp" werden vom Senat weiterhin kaum aufgegriffen. Was als schwungvolle Initiative für den gesamten Mühlenkamp begonnen hat, wurde im Ergebnis von Seiten der Behörden ausschließlich auf die Interessen des Busbeschleunigungsprogrammes heruntergedampft." Und seine Kollegin Ulrike Sparr kommentierte: "Die SPD hat hier eine große Chance vertan. Zurück bleiben eine Minimallösung am Mühlenkamp, ein wenig überzeugendes Verkehrskonzept und politikverdrossene Bürgerinnen und Bürger. Das schadet der Stadt und der Demokratie."
FDP und Linke konnten einige Pluspunkte bei den Anwohnern gewinnen, wurden für anderes auch kritisiert. Tobias Behnke (FDP) positionierte seine Partei als Kritiker des Busbeschleunigungsprogramms, trug aber viele SPD-Entscheidungen mit. Karin Haas (Linke) machte sich mit deutlichem Votum für die Busbeschleunigung und gegen den Individualverkehr kaum Freunde, kritisierte aber auch viele der von Anwohnern angeführten Punkte in der Umsetzung.
Viele Anwohner sehen übrigens ganz andere Gründe dafür, warum die Busse nicht schneller sind, zum Beispiel den Fahrkartenverkauf an den Haltestellen. Deshalb forderten sie das Aufstellen von Fahrkartenautomaten an der Haltestelle Gertigstraße. Könnte auch passieren, hat aber bislang keine Priorität gehabt. (ch)
Anzeige
Anzeige
2 Kommentare
393
Michael Kahnt aus Barmbek | 19.03.2014 | 09:57  
30
Laksman Cham aus Uhlenhorst | 21.03.2014 | 12:45  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige