Tierische Untermieter in St. Nikolai

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Der Turmfalke Foto: Johannes Kissgen
 
Kristiane Nitsche (v.l.) Marco Sommerfeld ,Pastorin Dagmar Rosenberg und Dorothee Stolzenburg Foto: NABU/ Ilka Bodmann
Hamburg: Billwerder Billdeich 142 |

Falkenpärchen brütet auf dem Kirchturm. Kirchengemeinde in Billwerder vom Nabu ausgezeichnet

Von Karen Grell
Billwerder
Billwerder Turmfalken brauchen einen Lebensraum zum Brüten und da bevorzugen die Greifvögel vor allem Türme von Kirchen und anderen hohen Gebäuden. Die Kirchengemeinde St. Nikolai in Billwerder hat jetzt vom Naturschutzbund NABU die Plakette „Lebensraum Kirchturm“ erhalten, denn hier liegen aufgrund der ausgezeichneten Brutmöglichkeiten schon mehrere Eier im Nest. Bereits vor zehn Jahren startete der NABU zusammen mit dem Beratungsausschuss für das deutsche Glockenwesen das Projekt „Lebensraum Kirchturm“. Ziel der Aktion ist es, die Brutstätten für Turmfalken, Fledermäuse, Schleiereulen, Dohlen und andere seltene Arten zu erhalten. „Wichtig ist aber auch, renovierte Kirchtürme wieder als Lebensraum zu öffnen, indem dort Nistkästen angebracht werden“, erklärt Ilka Bodmann vom NABU. Mittlerweile sind es mehr als eintausend Kirchen bundesweit, die für ihren Einsatz für den Artenschutz mit der Plakette ausgezeichnet worden sind.

Renovierung an Brutzeiten angepasst


In Hamburg erhielt in der vergangenen Woche die Kirchengemeinde St. Nikolai in Billwerder als sechste Kirche diese Ehrung. Bereits seit den 1980er Jahren existiert hier ein Nistkasten, der jeweils von einem Paar besetzt wird. In diesem Jahr plant die Gemeinde Sanierungsarbeiten im Inneren des Turms und Küsterin Kristiane Nitsche hatte bei den ersten Planungsgesprächen bereits auf das brütende Turmfalkenpaar hingewiesen. Pastorin Dagmar Rosenberg nahm deshalb Kontakt zum Vogelschutzexperten Marco Sommerfeld auf. Gemeinsam mit dem Naturschutzbund konnte dadurch ein passender Termin für die Renovierungsarbeiten Ende August gefunden werden, der die Brut der Vögel nicht beeinträchtigt. Und es wurden sogar noch weitere Pläne geschmiedet: Die Gemeinde prüft gerade, ob in Zukunft auch die Schleiereule einen Brutplatz im Billwerder Kirchturm finden könnte. „Ich kannte das Projekt ‚Lebensraum Kirchturm gar nicht“, erklärt Dagmar Rosenberg, die seit einem halben Jahr als Pastorin in der Gemeinde tätig ist. „Aber jetzt freue ich mich natürlich sehr, dass wir vom NABU ausgezeichnet worden sind.“

Beitrag zur Artenvielfalt


Marco Sommerfeld überreichte die Plakette und die dazugehörige Urkunde im Beisein von Kirchenküsterin Kristiane Nitsche und Dorothee Stolzenburg, der 1. Vorsitzenden des Gemeinderats. „Natürlich musste ich unbedingt auch einen Blick in den Turmfalken-Nistkasten werfen“, so Sommerfeld. Fünf Eier warten im Nest darauf, ausgebrütet zu werden. Damit liegt das Billwerder Falkenpärchen im guten Durchschnitt, denn in der Regel legen Turmfalken vier bis sechs Eier. „Mit ihrem Einsatz für den Turmfalken leistet die St. Nikolai-Gemeinde einen Beitrag zur Artenvielfalt in unserer StadtNatur“, begründet Marco Sommerfeld die Auszeichnung. „Die tierischen Untermieter werden leider allzu oft bei Sanierungen von Kirchen, Privathäusern oder auch Wohnungsgenossenschaften völlig vergessen.
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