Volkswagen: Auch Führungskräfte vom Konzernumbau betroffen

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VW ist das aktuell prominenteste Beispiel für den Wandel in der gesamten Automobil- und Zulieferindustrie. Allein im Bereich der Antriebstechnik sind aufgrund der immer breiter werdenden Hinwendung zur Elektromobilität bundesweit 250.000 Stellen in Gefahr, teilt die IG Metall mit. (Foto: VW /TRD Pressedienst)
 
Die Vermittlung von Führungskräften ist häufig eine knifflige Angelegenheit. (Foto: densam Managementberatung /TRD blog-newsportal)
(TRD/MID) Matthias Müller, der VW-Chef will mehr als 30.000 Stellen streichen, davon 23.000 in Deutschland. Der Konzern habe „Fett angesetzt“, sagt Müller. Das könnte nur die Spitze des Eisberges sein. Automobilwirtschaftsexperte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer vermutet, VW werde um noch weiteren Personalabbau nicht herumkommen. Und Gewerkschaften befürchten jetzt bundesweit einen sechsstelligen Stellenabbau.Derweil will sich VW von den meisten betroffenen Beschäftigten sozialverträglich trennen. Wegfallende Stellen werden nicht nachbesetzt und für die tarifgebundenen Mitarbeiter werden Transfergesellschaften und Transferagenturen eingerichtet. Für die ebenfalls betroffenen Mitglieder der Führungsebenen taugen solche Auffangbecken aber nur bedingt. „Transfergesellschaften helfen den „Indianern“, aber nicht den „Häuptlingen““, sagt der Mannheimer Executive-Placement-Berater und Arbeitsmarktexperte Frank Adensam im Gespräch mit dem Motor-Informations-Dienst.

VW ist das aktuell prominenteste Beispiel für den Wandel in der gesamten Automobil- und Zulieferindustrie. Allein im Bereich der Antriebstechnik sind aufgrund der immer breiter werdenden Hinwendung zur Elektromobilität bundesweit 250.000 Stellen in Gefahr, teilt die IG Metall mit. Auch die Effizienzsteigerung in der Industrie durch Digitalisierungen im Rahmen des Trends zur „Industrie 4.0“ gelten als Jobkiller.

„Wir stehen vor einem gewaltigen Produktivitätsschub“, betont Adensam, Spezialist für die Vermittlung von oberen Führungskräften. Die Annahme, dass von Entlassungen nur einfache Angestellte und Geringqualifizierte betroffen sind, hält er für einen weit verbreiteten Irrglauben. „Wenn bei VW 30.000 Stellen wegfallen, sind davon ebenfalls mindestens 400 leitende Angestellte betroffen“, so Adensam. Bei einem Autokonzern gehörten dazu zum Beispiel Werksleiter oder Kaufmännische Leiter.

„Hier stellt sich dann die Frage: Was macht man in diesem Fall mit einer sechsstellig bezahlten Führungskraft?“ Die Transferagenturen und Transfergesellschaften hätten hier weder die nötige Erfahrung noch die passenden Werkzeuge zur Vermittlung, sagt Adensam. Sozial verträgliche Lösungen werden für tarifgebundene Beschäftigte als Gruppenoutplacement konzipiert. Die ebenfalls betroffenen Führungskräfte hätten aber oftmals große Schwierigkeiten beim Erreichen einer gleichwertigen Position in einem anderen Unternehmen.

„Man kann sich als Geschäftsführer kaum überzeugend außerhalb seiner Branche um eine andere Geschäftsleitungsposition bewerben, weil auf der ersten Führungsebene in der Regel einschlägige Branchenerfahrung erwartet wird“, erklärt der Spezialist für Executive Placement.

Vorbeugend auf Jobsuche zu gehen ist allerdings kompliziert. Denn es ist nur schwer möglich, sich aus ungekündigter Stellung innerhalb der eigenen Branche zu bewerben. „Das fällt im eigenen Haus früher oder später auf“, weiß Adensam aus Erfahrung. Solches Verhalten werde als illoyal gewertet. Mit gravierenden Folgen: „Wenn das bekannt wird, schließt man die abwanderungswillige Führungskraft umgehend aus dem internen Kommunikationsfluss zu strategischen Themen aus und startet die Suche nach einem Nachfolger.“

Wer sich also nach extern orientiert und aus noch ungekündigter Position bewerben will, könne das schlecht mit offenem Visier tun. Ein möglicher Ausweg wäre die Beauftragung eines auf solche Fälle spezialisierten Executive-Placement-Beraters. Das biete unter anderem die Möglichkeit, sich zumindest im ersten Schritt unter dem Schutz einer Chiffre innerhalb der eigenen Branche auf einen adäquaten neuen Posten zu bewerben.

Manche Führungskräfte, die eine neue Beschäftigung suchen, wenden sich an einen Headhunter. Davon rät Adensam ab. Ein Headhunter arbeitet anders als ein Executive-Placement-Berater. Personalberater verfolgen höchst unterschiedliche Geschäftsmodelle, die von außen nicht immer leicht erkennbar seien. Auch der Anspruch an Seriosität und Prozesskompetenz differiere in dieser Branche erheblich. Es komme durchaus schon häufiger vor, dass die Bewerbungsmappe eines Geschäftsführers mit Abwanderungsgedanken auf dem Schreibtisch des eigenen Gesellschafters zu liegen kam. Ein klassisches Eigentor. Deshalb empfehle es sich, im Zweifel auf eigene Rechnung einen erfahrenen Executive-Placement-Berater einzuschalten, der die Monate der beruflichen Veränderung professionell begleitet.

Angesichts gegenwärtiger Umwälzungen in der Automobilbranche und des Wegfalls Tausender Stellen sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt viele Positionswechsel zu erwarten. Es werden auch obere Führungskräfte und Hochqualifizierte vor einer Karriere-Krise stehen. Für manche wird es zur „Reise nach Jerusalem“.
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