Blockieren oder Mitreden?

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Wie soll Hamburg mit dem G 20-Gipfel umgehen? Diskussionsabend im Kulturschloss Wandsbek Foto: rg

Podiumsdiskussion der Linken zum G 20-Gipfel

Wandsbek Das Thema G 20 und der geplante Protest dagegen sind in aller Munde, entsprechend ist der Saal im Kulturschloss gut besucht. „Es geht um Flucht, soziale Spaltung und Klimawandel. Die Verantwortlichen dafür kommen nach Hamburg“, eröffnet Jan Rübcke von den Wandsbeker Linken die Runde. 80 Prozent der globalen Wirtschaftskraft seien beim Treffen der 20 wichtig-sten Industrieländer vertreten, dazu mit IWF und Weltbank die Entscheider des weltweiten Finanzsystems, ergänzt Parteikollegin Cornelia Kerth.
„G 20 steht für eine extrem ungerechte Wirtschaftsordnung“, sagt die Wandsbeker Bundestags-Direktkandidatin der Linken. Als Beispiel nennt sie Afrika: Dort habe unter anderen Frankreich quasi neokoloniale Strukturen aufgebaut. Die betroffenen Länder seien beim Gipfel nicht vertreten. Kerth ruft daher zu massivem Protest auf.
Sönke Diesener vom Nabu Hamburg betont die Bedeutung des Klimawandels: „Wir brauchen genau jetzt Entscheidungen“, sagt der Umweltaktivist. Trotz Skepsis wolle seine Organisation deshalb beim G 20-Gipfel mitarbeiten, um Inhalte beim Thema Umwelt einzuspeisen. Johannes Müller von der Grünen Jugend kritisiert, die G 20 arbeiteten parallel zu den Vereinten Nationen, es fehle jegliche Legitimität: „Reich bestimmt über Arm, das passt uns nicht!“

Provokation

Den Gipfel mitten in der Großstadt abzuhalten, sei eine Provokation, so Müller: „Wir müssen deutlich unsere Meinung sagen!“ Ansgar von der „Interventionistischen Linken“ spricht von einer riesigen Politshow. Das von seiner Organisation abgelehnte Wirtschaftssystem solle zementiert werden: „Aber G 20 ist keine Naturgewalt, man muss lautstark dagegen protestieren!“ Er unterstützt eine Blockade des Gipfels: Argumente würden von den Mächtigen eh nicht beachtet.
„Appelle werden nicht gehört“, glaubt auch Andreas Blechschmidt, Sprecher der Roten Flora und seit Jahren in der autonomen Szene aktiv. G 20 sei der Motor für einen neoliberalen Kapitalismus, stehe für weltweite Ungerechtigkeit und Krieg: Etwa in der Ukraine oder in Syrien. „Militanter Protest ist ein notwendiges politisches Mittel“, ist Blechschmidt überzeugt. Es solle aber keine Schneise der Gewalt geben. Militanz stehe für ihn für bewusste Regelübertretungen: Etwa bei einer Blockade, um den Gipfel zumindest zu behindern, so Blechschmidt: „Es geht nicht gegen Menschen.“
Die autonome Szene werde Auseinandersetzungen mit der Polizei nicht suchen, ihnen aber auch nicht aus dem Weg gehen. (rg)
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