Ein Anker für die Hinterbliebenen

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Millimeterabeit mit Kran: Der Anker wird auf den Sockel gehoben Foto: rg
Hamburg: Am Friedhof 11 |

Rahlstedter Friedhof mit Monument von See

Rainer Glitz
Alt-Rahlstedt
Ein kleiner roter Kran mit Raupenketten steht neben der Friedhofskapelle. Am Haken ist ein 2,9 Tonnen schwerer Anker, vorsichtig wird er auf einem Anhänger der Friedhofsgärtner abgesetzt. Halten Reifen und Achsen das Gewicht aus? Es sieht gut aus. Über die normalen Wege bringt das Elektrogefährt die Ladung wenig später zu einer Grabfläche. Dort hat sich währenddessen der Kran platziert, die Ausleger stehen auf Stahlplatten, es ist wenig Platz. Ein grauer Betonsockel ist dann das Ziel des Kranführers. In Millimeterarbeit setzt er den Anker ab. Vier Mitarbeiter bringen den Anker in Position, er soll später mit Beton ausgegossen und endgültig fixiert werden.

Trauerort für Angehörige

Es handelt sich um einen nie benutzten Reserveanker der Bundesmarine, den Friedhofsmitarbeiter bei einem Händler in Kaltenkirchen entdeckten. „Wir hätten auch einen perfekt lackierten Anker nehmen können, haben uns aber für einen mit Patina entschieden“, sagt Friedhofsverwalter Matthias Habel. Zwei Mitarbeiter hätten die Idee gehabt, eine Gemeinschaftsgrabanlage zu bauen für Menschen, die sich der See verbunden fühlen. Der Anker wird noch eine Kette bekommen, ein Holzsteg mit Reling soll für maritimes Flair in Rahlstedt sorgen. „Viele Angehörige sind nach einer Seebestattung unzufrieden. Sie brauchen doch einen Ort, um zu trauern“, sagt der Leiter des Friedhofes. Für sie sollen Namensplaketten angebracht werden.

Platz für Urnen

Es sollen aber auch Urnen im Schatten des Ankers bestattet werden. „Die Nachfrage nach Gemeinschaftsgräbern ist hoch, ihr Anteil liegt bei zehn Prozent“, erklärt Matthias Habel. Sie seien eine gute Alternative zum anonymen Grab. Das wählten Viele, weil sie ihrer Familie nicht zur Last fallen wollten. „Um die Pflege der Gemeinschaftsgräber kümmern sich unsere Gärtner“, sagt Habel. 80 bis 90 Urnen können im Schnitt auf einer solchen Fläche beigesetzt werden.
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