Gedenken am Höltigbaum

Wann? 05.04.2014 13:00 Uhr

Wo? Haus der Wilden Weiden, Eichberg, 22143 Hamburg DE
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Hamburg: Haus der Wilden Weiden | Seit einigen Jahren, viel zu spät, erinnert eine Tafel am Höltigbaum in Rahlstedt an die Verbrechen der nationalsozialistischen Wehrmachtsjustiz. Hier auf dem ehemaligen Schießstand des Standortübungsplatzes Höltigbaum wurden von 1940 bis zur Befreiung Deutschlands am 8. Mai 1945 junge Soldaten erschossen, die wegen „unerlaubter Entfernung von der Truppe“, „Fahnenflucht“ oder „Feigheit vor dem Feind“ zum Tode verurteilt worden waren.

Wie viele Menschen insgesamt am Höltigbaum ihr Leben lassen mussten, ist unbekannt. Erschreckend hoch ist die Zahl der Hinrichtungen noch in den letzten Kriegswochen: 43 im März und 42 im April 1945. Wie blindwütig die Wehrmachtsjustiz operierte, zeigt die hohe Gesamtzahl ihrer Opfer: 50.000 kriegsgerichtliche Todesurteile, von denen 30.000 vollstreckt wurden, davon 23.000 an Deserteuren.

Späte Rehabilitierung

In der Nachkriegszeit, in Zeiten des „Kalten Krieges“ waren Kriegsdienstverweigerer und Deserteure gesellschaftlich geächtet und wurden als gewissenlose Feiglinge verhöhnt. Eine Rehabilitierung fand erst sehr spät statt. Erst im Mai 2002 wurden die Urteile für Wehrmachtsdeserteure vom deutschen Bundestag für Unrecht erklärt, und fünf Jahre später rehabilitierte das hohe Haus endlich auch die wegen „Kriegsverrat“ Verurteilten. Dieser Anerkennung war ein jahrelanges Ringen, ausgehend von der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz, vorausgegangen. Ludwig Baumann, 1942 zum Tode verurteilt, später zu 12 Jahren Zuchthaus „begnadigt“, sagte einmal treffend: „Was kann man besseres tun, als auch in Zukunft den Krieg – und zwar jeden Krieg – zu verraten!“

Deserteursdenkmal

Die Tafel am Höltigbaum allein kann die Stadt Hamburg aber nicht aus ihrer Pflicht entlassen, für die von der Militärjustiz verurteilten und hingerichteten Soldaten und Zivilpersonen auch in Hamburg einen zentraler gelegenen Erinnerungsort zu schaffen. Deshalb läuft seit einigen Wochen ein von der Kulturbehörde ausgelobter Kunstwettbewerb zur Schaffung eines Deserteursdenkmals. Unser Bündnis begleitet diesen Wettbewerb mit der heutigen und mit weiteren Veranstaltungen. So findet am 10. Mai 2014 ganztägig am „Kriegsklotz“ (unweit Dammtorbahnhof) unser nächstes Klotzfest statt. Mit viel Livemusik und Kultur wollen wir auf unsern Vorschlag, das Deserteursenkmal nicht irgendwo in der Stadt, sondern am Kriegsklotz zu errichten, Nachdruck verleihen.

Gedenkveranstaltung

Erstmals im "Haus der wilden Weiden" führen Schülerinnen und Schüler des Osterbekgymnasiums bei der Gedenkveranstaltung am 5. April das Dokumentarstück „Plötzlicher Herztod durch Erschießen“ von Michael Batz auf. Diese Aufführung wird musikalisch begleitet. Abschließend findet an der Gedenktafel vor dem ehemaligen Schießplatz eine Schweigeminute statt.
Veranstalter ist das "Bündnis für ein Hamburger Deserteursdenkmal".

Nahverkehr: Bus 462 ab Busbf. Rahlstedt bis
Endhaltestelle "Naturschutzgebiet Höltigbaum"
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