Oldenfelde: Trauer um alte Kastanien

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Anwohner Robert Jilg kritisiert das Vorgehen des Bezirksamtes im Haffkruger Weg Foto: rg
Hamburg: Haffkruger Weg |

Die schöne Allee ist verschwunden, so ein Anwohner im Haffkruger Weg. Kritik an Neupflanzungen

Von Rainer Glitz
Oldenfelde
Vor sechs Jahren haben Robert Jilg und seine Familie das Haus aus dem Jahr 1911 im Haffkruger Weg für viel Geld gekauft und aufwendig saniert. „Wir haben damals extra die Kastanienallee mit dem Kopfsteinpflaster gewählt“, sagt Jilg. „Doch die schöne Allee ist jetzt verschwunden, der Eindruck der Straße ging verloren.“ Vor etwa zwei Wochen rückten Arbeiter mit der Kettensäge an und fällten einen Großteil der bis zu 100 Jahre alten Kastanien. Denn die waren offensichtlich krank. Die Krankheit sei womöglich durch vor Jahren gepflanzte Kastanien von der Stadt selbst eingeschleppt worden, mutmaßen die Anwohner. Die Baumstümpfe wurden ausgefräst und neue, junge Bäume gepflanzt.

Ohne Vorwarnung

„Das kam alles ohne Vorwarnung“, sagt Anwohner Robert Jilg. Nicht nur die mangelnde Information ärgert ihn und die Nachbarschaft. Es geht auch um die nachgepflanzten Bäume. „Diese mickrigen Bäume sind kein Gegenwert für die alten, riesigen Kastanien“, sagt Jilg. Als er eine Blautanne auf seinem Grundstück fällte, habe er einen Baum mit deutlich größerem Durchmesser pflanzen müssen. „Es kann doch nicht sein, dass das Bezirksamt offizielle Regelungen aushebelt“, so der Oldenfelder. Die Anwohner wären sogar bereit gewesen, für größere Bäume bei der Nachpflanzung zu spenden.

Bezirksamt wehrt sich

„Es geht hier um die Natur, und Schatten haben wir nun auch nicht mehr“, so Robert Jilg. Die Behauptung, die Krankheit sei von der Stadt eingeschleppt worden, weist das Bezirksamt scharf zurück. Vielmehr seien einige Kastanien im Haffkruger Weg vom Bakterium „Pseudomonas syringae pv. aesculi“ befallen gewesen. Das Bakterium verbreite sich nicht nur im gesamten Stadtgebiet Hamburgs, sondern seit Jahren in weiten Teilen Mitteleuropas. Offenbar begünstigen Einflüsse des Klimawandels die Verbreitung. Die erfolgt laut Bezirksamt bei hoher Luftfeuchtigkeit insbesondere über Tröpfcheninfektion über kleinste Wunden an den Kastanien. Durch die Nachpflanzung von Blumeneschen solle ein adäquater Ersatz geschaffen werden, so eine Sprecherin des Bezirksamtes. Eine regelhafte Vorabinformation wie bei planmäßigen Fällungen sei bei akut erforderlichen Fällungen nicht möglich. Denn es bleibe nach Erkennen des Befalls nicht viel Zeit, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten sowie einen Befall der Nachbarbäume zu vermeiden. Die Mitarbeiter des Bezirksamtes seien stets vor Ort ansprechbar und hätten gerade in den letzten Tagen Anliegern Auskünfte gegeben.
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 14.03.2017 | 15:22  
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