„Tickende Zeitbombe“ in Rahlstedt

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Carmen Hansch (v.l.n.r.), Heinrich Sackritz, Michael Ludwig-Kircher, Ralph Miller und Ole Thorben Buschhüter beim Ortstermin Foto: Glitz
Hamburg: Altrahlstedter Kamp |

Hamburger Politiker sprechen sich für schnelle Sanierung des Lackfabrik-Geländes aus

Von Rainer Glitz
Rahlstedt
Die Fassaden der alten Lackfabrik bröckeln, Bäume wachsen aus den kaputten Fenstern, Farbschmierereien an den Wänden, überall liegt Müll und auch zwei Zäune können offensichtlich meist jugendliche Eindringlinge nicht aufhalten. Ähnlich marode ist die kleine Brücke über die Wandse. Seit zwölf Jahren ist die 1909 eröffnete Fabrik zwischen Altrahlstedter Kamp und Wandseredder geschlossen. Das Gelände ist unter anderem mit aromatischen und Mineralöl-Kohlenwasserstoffen, darunter Benzol, sowie Schwermetallen belastet. Nach dem Verursacherprinzip haftet für die nötige Sanierung die Firma Arostal Norddeutsche Lackfabrik. Doch die ist pleite. Und der Eigentümer des Grundstückes, eine Erbengemeinschaft, muss laut Gerichtsurteil nur in Höhe des Verkehrswertes haften. Doch die Sanierungskosten übersteigen den Wert der aufbereiteten Fläche deutlich.

Keine Schadstoffe?

„Laut Umweltbehörde muss erst saniert werden, wenn sich auf dem Grundstück etwas ändert. Im Moment gelangen keine Schadstoffe ins Grundwasser oder in die Wandse“, erklärt der Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ole Thorben Buschhüter. Und so kam es zum jahrelangen Stillstand. Doch nun könnte ein Beschluss der Bürgerschaft Schwung in die Sache bringen. Demnach sollen belastete Flächen zügiger saniert und als Bauland oder Grünfläche genutzt werden. In der Debatte wurde die Rahlstedter Lackfabrik ausdrücklich als mögliches Beispiel für ein solches Flächenrecycling genannt. „Die Lösung könnte so aussehen, dass die Stadt die Fläche für einen symbolischen Preis von den Eigentümern übernimmt und auf ihre Kosten saniert. Durch den Verkauf des sanierten Grundstücks an einen Investor würde eine Refinanzierung möglich“, so Ole Thorben Buschhüter.

Bauvorbescheid liegt vor

Denn einen Bauvorbescheid des Bezirkes Wandsbek gibt es bereits. Demnach könnten auf einer 2.300 Quadratmeter großen Teilfläche drei Einzelhäuser mit je fünf Wohnungen entstehen. Gleichzeitig ist geplant, die marode Brücke durch eine neue zu ersetzen. Und der Wandsewanderweg soll auf der Südseite fortgeführt werden. „Die Planung ist vertrackt, deshalb kann es nur die Stadt umsetzen“, meint Buschhüter. „Das Projekt wäre gut für Rahlstedt“, so der SPD-Bezirkspolitiker Michael Ludwig-Kircher. „Das kann ich mir gut vorstellen, auch den Ausbau des Wanderweges“, ergänzt Heinrich Sackritz von den Grünen. Und auch Anwohner Ralph Miller wäre froh, wenn die Sanierung endlich beginnt: „Die Lackfabrik ist eine tickende Zeitbombe.“
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