Der Rahlstedter Traum von Olympia

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Vater und Sohn lieben die Leichtathletik: Gunnar (r.) und Moritz von der Geest Foto: th
 
Auch fürs Speerwerfen kann sich Moritz von der Geest begeistern Foto: Hoyer
Hamburg: amtv |

Sie haben einfach das Sport-Gen: Eine Familie aus Rahlstedt und ihre Begeisterung für die Leichtathletik – und Olympia

Von Christian Hanke
Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro stehen unmittelbar bevor. Schon vor der Eröffnung am 5. August ist für die Träger des olympischen Feuers der Olympische Fackellauf von Griechenland zum Ort der Wettkämpfe ein großartiges Ereignis.

1936 trug Alfred von Thun die Flamme ein Stück des Weges nach Berlin. Der Nordmeister im Hochsprung war damals einer der besten Leichtathleten Norddeutschlands und ist der Urvater einer ganzen Leichtathletikfamilie aus Rahlstedt. Dorthin war von Thun aus Niendorf an der Ostsee umgezogen. Sein Schwiegersohn Günter von der Geest (78), dessen Sohn Gunnar (51) und jetzt auch Gunnars Sohn Moritz (15) waren und sind begeisterte Leichtathleten. Alle sind Mitglied im AMTV und haben beachtliche Erfolge errungen.

Günter von der Geest, der als Handballer erst im Seniorenbereich begann, war 1981 Dritter bei den Hamburger Senioren-Meisterschaften U40. Gunnar von der Geest, Sportjournalist und lange Pressereferent beim Hamburger Sportbund, errang viele Hamburger Meisterschaften bei Schülern, Jugend und Erwachsenen in den Staffeln und im Mannschaftsmehrkampf. Er hält immer noch den Hamburger Rekord mit der 4 x 400 Meter-Staffel, den er mit der LG Hammer Park 1983 in der Zeit von 3:16,98 Minuten bei den Deutschen Jugendmeisterschaften errang.
Sohn Moritz war 2015 bereits Hamburger-Freiluft-Meister im Hochsprung und fünfmal Zweiter in diversen Disziplinen. Fünf Stunden in der Woche etwa trainiert der jüngste Spross der Rahlstedter Leichtathletik-Familie. Wie schon sein Uropa, den er nicht mehr kennen lernte, springt er am liebsten in die Höhe, will sich jetzt auf den Stabhochsprung konzentrieren. „Ich mag die technischen Disziplinen, auch den Speerwurf“, erzählt Moritz von der Geest. Oder Diskuswerfen, das er mit Papa am Wochenende zusammen mit Hürdenlauf und Hochsprung auf dem Jahnplatz in Rahlstedt trainiert.

Für Vater und Sohn ist Leichtathletik natürlich immer ein Thema. „Moritz ist ein Bewegungstalent“, lobt der Vater. Die Bewegung, das ist es, was Uropa, Opa, Vater und Sohn verbindet. Sie lieben und liebten es, in Bewegung zu sein, am besten draußen. Damit hat Alfred von Thun sie angesteckt.
Gunnar von der Geest läuft noch zweimal in der Woche, schwimmt gern und fährt Fahrrad. Sein Opa hatte noch bis zu einer Parkison-Erkrankung einen Bewegungsdrang, schwamm bei 17 Grad in der Ostsee. Gunnar geht in seiner Freizeit gern Beerenpflücken, die er dann zu Säften und Marmelade verarbeitet. „Wir sind keine Stubenhocker“, fasst er kurz zusammen.

Vater und Sohn von der Geest haben der Leichtathletik noch etwas Positives abgewinnen können: die Vorliebe für Gemeinschaften. Wettkampfreisen als Schüler waren für ihn „große Erlebnisse“. Noch heute reist er mit seiner Frau und vier früheren Mitstreitern aus der Leichtathletik und ihren Familien regelmäßig in den Skiurlaub. Auch deshalb beendete Gunnar von der Geest schon mit 21 seine aktive Laufbahn und wurde Trainer. Er hielt sich nicht für gut genug für eine ganz große Leichtathletik-Karriere. 1986 bis 2002 hat er die AMTV-Athleten, vor allem im 400-Meter-Hürdenlauf und im Halbmarathon trainiert.
Moritz weiß dagegen noch nicht, wohin die Reise geht. Er kommt jetzt in die zehnte Klasse und hat schon ´mal das Sportprofil gewählt. Festlegen will er sich in Sachen Sport aber noch nicht, sondern „erst einmal die Schule fertig machen“. Aber Trainer ist er auch schon, Co-Trainer für die zwölf- und dreizehnjährigen B-Schüler. Wegen der Gemeinschaft.

So bleibt der Erfolgreichste in der Familie vorerst Alfred von Thun. Etwa 200-mal stand er auf einem Siegerpodest. Rund 100 Goldmedaillen sind in seinem akribisch geführten Wettkampfbuch aufgelistet. „Er war wie viele Sportler damals ein Allrounder“, erzählt sein Enkel. Die 100 Meter lief er 1927 in 11,2 Sekunden. 1930 sprang er 6,60 Meter weit und 1938 1,80 Meter hoch. Für die Olympischen Spiele in Berlin reichte das nicht. Die Qualifikationshöhe betrug 1,85 Meter. So blieb dem Nordmeister die Teilnahme bei Olympia verwehrt. Aber er hat dran geschnuppert, durfte ein Stück die Fackel tragen.
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