Hamburger Tafel muss Ausgabe am Deich schließen

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Wer wenig Geld hat, ist auf die Hamburger Tafel angewiesen und freut sich über die regelmäßige Versorgung mit Lebensmitteln Foto: Grell
Hamburg: Entenwerder Stieg 10 |

Ende Januar ist in Rothenburgsort Schluss. Bedürftige wollen Unterschriften für den Erhalt der Ausgabestelle sammeln

Von Karen Grell
Rothenburgsort
Fast 150 bedürftige Menschen nutzen in Rothenburgsort am Entenwerder Stieg 10 die Hamburger Tafel, um sich regelmäßig mit Lebensmitteln zu versorgen. Jetzt steht dieser Standort vor dem Aus. Manche der Bedürftigen, die hier zur Lebensmittelausgabe kommen, sind Hartz IV-Empfänger, andere beziehen nur eine geringe Rente, die zum Leben kaum ausreicht. Die meisten Familien im Stadtteil haben mehrere Kinder, in vielen Fällen sind die Frauen alleinerziehend.

Noch kein neuer Standort gefunden

„Das Gebäude steht uns leider nicht länger zur Verfügung“, beklagt Ralf Taubenheim, der Geschäftsführer der Hamburger Tafel die akute Lage. Er weiß, wie wichtig der Standort direkt am Deich für die Anwohner dort ist. In ganz Hamburg gibt es über zwanzig Ausgabestellen, die von Kooperationspartnern betrieben werden und 65 weitere Institutionen, die von der Tafel beliefert werden. Die Projektidee der Tafel ist das Verteilen kostenloser Lebensmittel, die von Unternehmen gespendet werden, an bedürftige Menschen mit geringem Einkommen. Ein neues Gebäude für den Standort Rothenburgsort habe sich, laut Ralf Taubenheim, bisher nicht gefunden.

Bedürftige haben keine Alternative

Renate Berlau wohnt in Rothenburgsort und nutzt ebenfalls die Ausgabestelle am Entenwerder Stieg. Die Rentnerin bezieht nur eine Grundsicherung und ist deshalb froh, wenn sie einmal in der Woche, immer dienstags, ein paar Lebensmittel bekommen kann. „Manches Mal habe ich einen kleinen Nebenjob, dann muss ich nicht kommen“, erklärt die 68-Jährige. Oft ist sie aber ohne Arbeit und muss die Tafel in Anspruch nehmen. „Gern nimmt man natürlich diesen Schritt nicht auf sich“, so Renate Berlau. Wenn Ende des Monats die Tafel am Deich schließt, dann wissen Renate Berlau und über 140 andere Betroffene nicht mehr, wohin sie gehen sollen. „Die meisten anderen Ausgabestellen haben Aufnahmestopp“, weiß Ralf Taubenheim. Er vermutet auch, dass das bestehende Gebäude zu marode sei, um weiter erhalten zu bleiben. „Konkrete Informationen liegen uns dazu aber nicht vor“. In anderen Fällen, in denen die Tafel Räumlichkeiten verloren hat, sind die Mitarbeiter auf mobile Ausgabestellen umgestiegen, aber auch das sei keine optimale Lösung. Renate Berlau will nun zusammen mit anderen Betroffenen aktiv werden. Wenn nötig, will sie auch Unterschriften für den Erhalt des Standortes „auf dem Marktplatz“ sammeln.

Weitere Infos: Die Hamburger Tafel
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