Rothenburgsort: Menschen warten auf Tafel

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Die Ausgabestelle der Hamburger Tafel in Rothenburgsort ist jetzt geschlossen. Viele Menschen im Stadtteil waren auf die Unterstützung angewiesen Foto: Grell
Hamburg: Entenwerder Stieg 10 |

Räume und Betreiber gibt es bereits. Die Müllbeseitigung bleibt ein Problem. Bedürftige leiden Not

Von Karen Grell
Rothenburgsort
Die Ausgabestelle für Lebensmittel der Hamburger Tafel am Entenwerder Stieg in Rothenburgsort ist seit Ende Januar geschlossen. Neue Räume gibt es schon, doch der Start verzögert sich. Die bedürftigen Bewohner aus dem Stadtteil müssen jetzt vorübergehend auf einen anderen Stadtteil ausweichen. „Wilhelmsburg hat noch freie Kapazitäten“, versprach Ralf Taubenheim, der damalige Geschäftsführer der Hamburger Tafel, kurz vor der Schließung. Petra Ingeborg Beyerlein, die Vorsitzende der SPD aus Rothenburgsort und viele andere Engagierte im Stadtteil wurden sofort aktiv. „Es sind bereits neue Räumlichkeiten im alten Zollamt gefunden worden und die Gespräche mit dem neuen Träger laufen auch“, so Beyerlein. Noch gebe es ein paar offene Fragen zum Thema der Müllbeseitigung.

Weg nach Wilhelmsburg zu weit

„Für mich ist der Weg bis nach Wilhelmsburg nicht zu schaffen“, beklagte sich Rentnerin Renate Berlau und ist damit nicht die Einzige, die unter dem Aus der Tafel im Viertel leidet. Auch Michael Hintz kommt seit sieben Jahren zur Ausgabestelle direkt am Deich und weiß nun nicht wohin. „Im Supermarkt ist alles so teuer geworden. Allein das Gemüse ist unerschwinglich für uns“, so der Krankgeschriebene, der die Schicksale der Menschen hier im Stadtteil kennt. Arbeitslosigkeit, Trennungen und Krankheit führen schnell in die Armut. „Viel schneller als man es sich das vorstellen kann“, erzählt Anke, die nach dem Krankengeld jetzt Hartz IV beziehen soll, in der Bearbeitungszeit dazwischen aber zurzeit vor dem finanziellen Ruin steht. „Man hat mir vorgeschlagen, vorübergehend von Ersparnissen zu leben“, so Anke, die habe sie aber längst aufgebraucht und kommt deshalb jetzt zur Tafel, um überhaupt irgendwie über die Runden zu kommen.

Hoffen auf schnelle Wiedereröffnung

Janina Ladory war zur letzten Ausgabe am Dienstag im Januar mit ihrer Gehhilfe gekommen. Die Beine seien kaputt und dennoch wartet sie geduldig fast zwei Stunden in der eisigen Kälte vor der verschlossenen Tür der Ausgabestelle. „Ich will versuchen, mich für einige Zeit einzudecken, denn nach Wilhelmsburg kann ich nicht, so die Frührentnerin. In Rothenburgsort hofft man deshalb nun darauf, dass auch die letzten Fragen schnell geklärt werden und schon in den nächsten Wochen wieder eröffnet werden kann.

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