Rothenburgsort: Vorne hui, hinten pfui

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Viele Hamburger kommen bei Sonnenschein in das trendige Café auf dem Ponton Foto: kg
Hamburg: Entenwerder 1 |

Ein Hamburger Stadtteil mit zwei Gesichtern

Von Karen Grell
Rothenburgsort
Der Stadtteil Rothenburgsort ist zu einem richtigen Trend-Viertel geworden. Bei Sonnenschein genießen die Hamburger auf dem Ponton an der Elbe einen Latte Macchiato und leckere Torten. Mit dem Gesicht zur Sonne gewandt kommen dann auch Eppendorfer und Besucher aus Winterhude für ein paar Stunden in das Quartier im Osten, von dem die direkten Anwohner ganz andere Geschichten erzählen können.„Ich bin hier aufgewachsen und kenne Rothenburgsort seit über 50 Jahren“, erklärt Karl Kusel, der die kleine Gaststätte gleich am Entenwerder Deich betreibt und dort heute zusammen mit Ehefrau Erika lebt. „Nachts, wenn die Besucher weg sind, dann tanzen hier die Ratten über den Deich“, sagt Erika lachend. „Wir haben alles versucht, auch schon selber Rattenfallen aufgestellt“, der viele Müll und Dreck, der hier an den Deich gebracht werde, sei aber von niemandem zu bewältigen. Vor allem in der Nacht werde es im östlichsten Viertel Hamburgs ungemütlich. „Dann kommen die Leute mit ihren Fahrzeugen und bringen den Sperrmüll gleich mit“. Gerade am vergangenen Sonntag, an dem gleich fünf Käsetorten mit Mohn- und Kirschfüllung in dem kleinen Café auf dem Ponton angeboten wurden, lagen am Ufer der Elbe jede Menge alter Einkaufstaschen mit Restmüll, leere Bierflaschen und Plastiktüten, verdreckte Matratzen, zersägte Möbel, die wohl doch nicht in den häuslichen Abfalleimer passen wollten.

Vergessene Stadtteil Hamburgs


Rothenburgsort ist ein Stadtteil, den mehr rauchende Schornsteine als schnuckelige Einzelhäuser zieren, der aber dennoch die wunderschönen Plätzchen an der Elbe vorzeigen kann und deshalb ein Ort ist, „an dem wir sehr gern leben“, so das Ehepaar Kusel. Schön wäre es, wenn das Quartier nicht länger der „vergessene Stadtteil Hamburgs „bliebe, wie ihn viele Anwohner nennen. Viel weist darauf hin, dass hier nicht genug getan wird, um den Spaziergang am Elbufer attraktiver zu machen. Der Sand ist verdreckt, neben dem verlassenen Drehkarussell steht ein knallblaues Dixie-Klo und auf dem einzigen Parkplatz sind die Schlaglöcher so tief, dass viele ihre Autos gleich am Straßenrand parken. „Richtig schlimm wird es mit dem Müll dann wieder, wenn die Musikveranstaltungen im Sommer starten“, befürchtet Erika Kusel schon jetzt. Noch liege den Veranstaltern keine Genehmigung vor, aber in den vergangenen Jahren sei die große Wiese hinterher einer Müllhalde gleich gewesen. Rothenburgsort bleibe wohl weiterhin ein Stadtteil mit zwei Gesichtern. Besucher kennen dann meist nur das Sonntagsgesicht.
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