Tschüss, Rothenburg

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Das Stadtteilzentrum muss bis Ende März ausziehen Foto: fbt
 
Marion Hartung leitet den Trägerverein Foto: fbt
Hamburg: Vierländer Damm 3a |

Warten auf neuen Standort für Stadtteilzentrum

Von Frank Berno Timm
Rothenburgsort
Das frühere Gemeindezentrum von St. Thomas am Vierländer Damm war in den letzten Jahren Stadtteilzentrum mit dem naheliegenden Namen „Rothenburg“. Am letzten Freitag wurde mit einem „Tag der Offenen Tür“ Abschied genommen und anständig Tschüss gesagt. Das Haus soll abgerissen und neue Wohnungen errichtet werden. Marion Hartung, Chefin des Vereins Stadtteilräume Rothenburgsort, erinnert an die Anfänge: Die Besitzerin des Gebäudes, die benachbarte St.-Thomas-Gemeinde, habe das frühere Gemeindehaus mit allen Einrichtungsgegenständen für den neuen Zweck zu symbolischen Konditionen vermietet. Der Verein konnte den Gemeindesaal, eine Holz- und eine Fahrradwerkstatt im Keller, einen Raum für ein Fotoarchiv und ein Stadtteilzimmer nutzen. Marion Hartung berichtete, wie in den letzten zehn Jahren Mittel aus den verschiedensten Töpfen flossen, um die Miete zu finanzieren – darüber hinaus habe an nahezu jedem Wochenende eine Familienfeier stattgefunden: „Und es ist nie etwas passiert.“ Anfang 2014 sei Pastorin Cornelia Blum an den Verein herangetreten, habe angekündigt, dass das Haus aufgegeben und an seinem Platz Wohnungen gebaut werden sollten.

Holzwerkstatt ins Zollamt

Eine Alternative könnte das Haus der Jugend sein, dessen Fertigstellung offensichtlich stockt. Der Name „Rothenburg“ ist auch dort im Gespräch, Familienfeiern für Leute aus dem Viertel könnten dort aber nicht mehr stattfinden: „Das ist ein echter Verlust“, bedauert Hartung. Peter Behrendt, gelernter Elektromaschinenbauer und pensionierter Polizist, hat die Holzwerkstatt im Keller geleitet – als letztes hat er ein Kerzenschiff für die benachbarte Kirche gebaut. Zwei Mal die Woche, berichtet er dem Hamburger Wochenblatt, seien Leute in die Schnitzwerkstatt gekommen. Die zieht jetzt „gezwungenermaßen“ in das alte Zollamt um, aber das sei ein Provisorium, so Behrendt. Er hoffe auch, dass es mit der Fahrradwerkstatt weitergehe. Unklar war am Freitag auch, wo das Stadtteilarchiv hingeht: Ingo Böttcher hat sich darum gekümmert, erstmal werde das Material „bei der SPD in den Schrank“ wandern, berichtete er.

Stadtteil braucht einen Treffpunkt

Yannick Regh (SPD) aus dem zuständigen Regionalausschuss teilte auf Anfrage mit, beim Haus der Jugend habe es leider eine Bauverzögerung gegeben, wodurch der Einzug später stattfinde. „Wir haben ein Interesse daran, dass Rothenburgsort weiterhin einen zentralen Treffpunkt für die Anwohnerinnen und Anwohner bietet“, so Regh. Michael Osterburg (Grüne) sagte, dass Haus der Jugend solle nie Ersatz sein, sondern eventuell Teile des Programms dort stattfinden. Osterburg betont, die Rothenburg sei ein guter Ort gewesen, der wieder geschaffen werden müsse – das Haus der Jugend könne nur ein Übergang sein. Die Rothenburgsorter SPD-Vorsitzende Petra Ingeborg Beyerlein sagte auf Anfrage, die bisherigen Angebote der Rothenburg sollten weitgehend im Haus der Jugend fortgesetzt werden. Derzeit rechne sie mit einer Inbetriebnahme des Hauses der Jugend im Spätsommer. Marion Hartung, Chefin der Rothenburg, kündigte an, dass ihr Verein den Umzug und das neue Quartier der Holzwerkstatt aus eigenen Mitteln stemmen werde.
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