Erfolgreiche Premiere von „Ganzkörpereinsatz“

Wann? 06.03.2017 bis 08.04.2017

Wo? Hartungstraße 9-11, Hartungstraße 9, 20146 Hamburg DE
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Hat ein Problem mit der Sex-Szene zwischen Karen (Julia Koschitz, li.)und Steve (Patrick Heyn): Karens Lebensgefährtin Bev (Joanna Kitzl,r.) Foto: Bo Lahola
Hamburg: Hartungstraße 9-11 |

Bitterböse Komödie über Ruhm- und Jugendwahn in den Hamburger Kammerspielen

Hamburg-Rotherbaum Wer eine Minute ein Star sein möchte, muss zum „Ganzkörpereinsatz“ bereit sein (das Wochenblatt berichtete). Diese Erfahrung machen zwei Hollywood-Schauspieler in der gleichnamigen Komödie des US-amerikanischen Autors Neil LaBute in den Kammerspielen. Steve (Patrick Heyn) und Karen (TV-Star Julia Koschitz) wollen um jeden Preis ihre stagnierenden Karrieren ankurbeln. Der stark blondierte Steve versucht verzweifelt, seinen Alterungsprozess durch falsche Altersangaben und seine mehr als 20 Jahre jüngere Lebensgefährtin Missy (Stella Roberts) aufzuhalten. Karen hat Schwierigkeiten, große Rollen zu ergattern, seitdem sie ihr Coming-out als Lesbe hatte und sich öffentlich zu ihrer Freundin Bev (Joanna Kitzl) bekennt. Das neue gemeinsame Filmprojekt kommt ihnen gerade recht.

Eskalation

Der belgische Regisseur verlangt seinen Hauptdarstellern allerdings nicht weniger als eine echte Sexszene ab. Um diese von ihren Partnern absegnen zu lassen, treffen sich die ungleichen Kollegen zu einem gemeinsamen Essen bei Karen und Bev. Groß sind die Sympathien nicht zwischen dem ebenso arroganten wie ungebildeten Steve, der ganz im Sinne der neuen Trump-Ära ein Faible für alternative Fakten hat und Karens Lebensgefährtin Beverly, der es nicht einfällt, Steves großmäulige Behauptungen unwidersprochen stehen zu lassen. Wie etwa die, dass Belgien nicht zu Europa gehöre. Karen gerät in dem – zunächst nur verbalen - Schlagabtausch zwischen die Fronten und die unbedarfte Missy zieht Steves Zorn auf sich, weil sie zu viel von Karens Fingerfood vernascht: „Wenn Du Dein schwabbeliges Hinterteil nicht auf einem Titel-Cover sehen willst, solltest Du das lassen!“ Als Steve und Karen mit der geplanten Sex-Szene herausrücken und gemeinsam mit ihren Partnern besprechen wollen, welche Sex-Praktiken vor laufender Kamera für wen in Ordnung sind, eskaliert die Situation. Steves sexistische Kommentare entpuppen sich als abgrundtiefer Frauenhass, der sich schließlich in einem handfesten Kampf mit Bev entlädt, die zum Schutz ihres Privatlebens strikt gegen die Sex-Szene ist. Mit allen Mitteln will Steve seine Karriere retten und scheut auch nicht davor zurück, Missys Körper als Preis einzusetzen.

Bitterböse Komödie

„Ganzkörpereinsatz“ ist eine bitterböse Komödie über Ruhm- und Jugendwahn und wie weit Prominente und solche, die es werden wollen, dafür gehen. Regisseur Kai Wessel inszeniert das mit viel Tempo und einem spielfreudigen Ensemble. Die Figuren entsprechen dabei zwar konsequent den gängigen Klischees, werden von ihren Darstellern aber so lustvoll überzeichnet, dass es eine Freude ist. Einzig Hollywood-Diva Karen bleibt etwas blass. Was die toughe Bev an der vorwiegend in sich zusammen gesunken durch die hippe zeitgenössische Kunstsammlung (Bühnenbild: Maren Christensen) wankenden Schauspielerin findet, erschließt sich nur schwer. Begeisterten Applaus gab es für das Ensemble und seinen vollen Einsatz am Ende trotzdem. Für die Kampfszene zwischen Steve und Bev wurde eigens ein Kampfchoreograph engagiert und Missys Interpretation des Hexentanzes von Tanz-Ikone Mary Wigman wurde mit einem Szenen-Applaus bedacht. (flü)

„Ganzkörpereinsatz“: bis 12. März, Hamburger Kammerspiele, Hartungstraße 9-11, Telefon 41 33 440

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