„Freiwillig zu Diensten“

Wann? 25.03.2015 19:30 Uhr

Wo? hamburger frauenbibliothek - DENKtRÄUME, Grindelallee 43 (Sauerberghof rechts), 20146 Hamburg DE
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Hamburg: hamburger frauenbibliothek - DENKtRÄUME |

Der schmale Grat zwischen Ehrenamt und Gratisarbeit

23 Millionen Menschen sind in Deutschland in irgendeiner Form ehrenamtlich tätig. Denn: Im Zeitalter der Globalisierung ist die traditionelle deutsche Wohlfahrtsstaatlichkeit angeblich nicht mehr finanzierbar. Inzwischen setzen wesentliche Teile des Sozialwesens, der Bildung und der kommunalen Infrastruktur auf ehrenamtliches Engagement als Dauerlösung für ihre finanziellen und personellen Engpässe. Die massive Nutzung der Ressource “bürgerschaftliches Engagement” wurde so zu einem wichtigen Faktor in der neoliberalen Umgestaltung von Staat und Gesellschaft.
Angeblich besitzt ehrenamtliche Arbeit an und mit Menschen eine ganz besondere Qualität, die professionelle Sozialarbeiter, Jugend- , Kranken- oder Altenpfleger, Erzieher oder Lehrer so nicht einbringen können – eine Abqualifizierung aller einschlägig Erwerbstätigen, die diese Berufe ja auch einmal gewählt haben, um mit Menschen zu tun zu haben, die aber die Unverfrorenheit besitzen, für ihre Arbeit die Zahlung eines Gehaltes zu erwarten.
Es gilt zu fragen, warum die öffentlichen Haushalte überschuldet sind und was getan werden muss, damit möglichst alle Kinder einen Schulabschluss erreichen, Kommunen ihre Museen, Schwimmbäder und Kultureinrichtungen finanzieren können, die menschenwürdige Pflege von Kranken und Alten gewährleistet wird und auch weniger qualifizierte Erwerbstätige von ihrer Arbeit leben können. Steuererhöhungen für Reiche, Vermögensabgabe und eine Neuregelung der Unternehmensbesteuerung könnten als politischer Ausdruck für die viel beschworene “Kultur der Solidarität” propagiert werden. Für ehrenamtliches Engagement ist dann immer noch Platz. Aber nicht mehr für die Verplanung Engagierter als billiger Ersatz für bezahltes Personal (aus: Claudia Pinl, „Freiwillig zu Diensten?“, der Freitag, 28.12.2013).

In Kooperation mit dem Landesfrauenrat Hamburg e.V.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Care Revolution".


Die Veranstaltungsreihe wird gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg – Eintritt: 3 €
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