„Zero Deal“ erzählt von geplatzten Träumen

Wann? 20.05.2017

Wo? Kleine Theaterstraße 10, Kleine Theaterstraße 10, 20354 Hamburg DE
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Filmemacher aus Nollywood und Rahlstedt: Prince Ogugua Igwe (r.) Grace Evaly (M.) und Oscar Akanazu Foto: mdt
 
Der Nollywood-Film „Zero Deal“ ist am 20. Mai im Metropolis zu sehen Repro: wb
Hamburg: Kleine Theaterstraße 10 |

Große Nollywood-Premiere im Metropolis Hamburg am 20. Mai

Von Marco Dittmer
Hamburg
Als Bakery Jatta am 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga in der 83. Minute eingewechselt wird, kocht die Stimmung im Weserstadion. Vor wenigen Minuten ging der SV Werder Bremen durch Florian Kainz in Führung. Der HSV liegt im Nord-Derby mit einem Tor hinten. HSV Trainer Markus Gisdol setzt nun alles auf das 18-jährige Stürmertalent, für den die Einwechslung nicht nur ein Sprung in den Profisport ist, sondern auch das filmreife Ende einer langen und gefährlichen Reise. Jatta, der noch vor zwei Jahren auf Gambias Bolzplätzen kickte, kam als Flüchtling nach Deutschland. 2015 entkam er der Diktatur in seinem Heimatland. Er nahm die gefährliche Route durch die Sahara, dann über das Mittelmeer. Nach dem Spiel wird Bakery sagen: „Mein Traum ist wahr geworden. Schade, dass wir verloren haben.“

Trügerische Versprechen


Den gleichen Traum hatte auch Fred. Er entflieht der perspektivlosen Zukunft in seinem Heimatdorf in Nigeria mit dem trügerischen Versprechen, er könne in Europa ganz leicht im Profifußball Karriere machen. Fred ist eine von drei Hauptpersonen in dem Nollywood-Film „Zero Deal“. In Anlehnung an Hollywood wird die nigerianische Filmindustrie unter dem Namen „Nollywood“ vermarktet. Der englischsprachige Film erzählt die Geschichte von drei Menschen, die ähnliche Träume hatten, nach ihrer Ankunft in Spanien und Deutschland aber vor den Scherben ihrer Hoffnungen stehen. Was sie hier erleben ist eine andere Welt, als die, von der sie in Afrika geträumt haben – und die man ihnen als „European Dream“ dort versprochen hatte. Fred schafft es nicht in den Profifußball. Auch Jane fällt auf die Versprechen einer Reiseagentur herein und bezahlt mit ihrem Vermögen ein Visum. In Spanien angekommen, zerbricht ihr sonst so geordnetes Leben. Jane weiß sich nicht mehr zu helfen und landet schließlich in der Prostitution.

Echte Geschichten


„Die Geschichten, die ich erzähle, sind echt. Wir haben sie nach den Erfahrungen von drei Geflüchteten geschrieben“, so Prince Ogugua Igwe, Sohn eines Königs einer 50.000 Seelengemeinde in Nigeria und Produzent des Films. „In Afrika denken noch immer viele Menschen, dass Europa das Paradies ist, wo man alles geschenkt bekommt. Es gibt viele Gründe dafür: Armut, Perspektivlosigkeit aber auch Druck durch Familie und Freunde“, sagt Igwe von Real Film Production Berlin. Der 43-Jährige, der in Freiburg für ein großes Logistikunternehmen arbeitet, investierte mehr als 50.000 Euro in seinen Film. Gedreht wurde in Nigeria und Deutschland, mit namenhaften Nollywood-Schauspielern wie Jennifer Omole.

Aufstrebende Filmindustrie


Grace Evaly unterstützt Igwe von Hamburg aus. Die 40-Jährige wohnt seit zehn Jahren in Hamburg und will Nollywood hier bekannter machen. Gerade organisiert sie die englischsprachige Premiere von „Zero Deal“ im Metropolis Kino. „Filme aus Nigeria unterscheiden sich deutlich von Werken aus Amerika, Deutschland oder Indien“, sagt die Rahlstedterin. Die weltweit zweitgrößte Filmindustrie drängt nach ihrem langjährigen Erfolgszug durch Afrika ins Ausland und zunehmend nach Europa.Tatsächlich hat die Filmproduktion aus dem westafrikanischen Land schon längst die Weltspitze erreicht. Mit mehr als 2.000 Spielfilmen im Jahr, einer Million Beschäftigten und einem rasant wachsenden Netflix-Pendant ist sie nach Erdöl und Landwirtschaft zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor Nigerias aufgestiegen. „Die Filme zeigen die Realität, den täglichen Kampf ums Überleben mit all seinen Facetten“, sagt Grace Evaly. Erste Kritiken nach der Premiere in Freiburg sprechen von einem „Muss für Nollywoodfans.“ Bakery Jatta haben die Filmemacher jedenfalls schon eingeladen.

„Zero Deal“: Metropolis Hamburg, 20. Mai, 18 Uhr, Kleine Theaterstraße 10, Tickets: Telefon 34 23 53
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