Altes Haus, neuer Tratsch

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Meta Boldt (Heidi Mahler, vorn) nervt die Mitbewohner (v.l.: Dieter Schmitt, Horst Arenthold, Sandra Keck, Wolfgang Sommer, Arja Sharma und Evangels Sargantzo) mit ihrem Getratsche Foto: Torsten Kollmer

Ohnsorg-Theater: Heidi Mahler in Paraderolle ihrer Mutter

St. Georg Der Vorhang öffnet sich zur ersten Premiere der neuen Spielzeit im Ohnsorg Theater. Tosender Beifall für ein Bühnenbild. Es ist exakt so gestaltet wie 1962, bei der Premiere des berühmtesten Ohnsorg-Evergreens: Tratsch op de Trepp (Tratsch im Treppenhaus). Zum vierten Mal wurde der Schwank von Jens Exler jetzt, nun in der Regie von Michael Koch, am Ohnsorg-Theater inszeniert.
Das schäbige Treppenhaus eines damaligen einfachen Mietshauses. In der Mitte die Treppe. An den beiden Seiten die Wohnungstüren von Frau Knoop und Herrn Brummer. In der Mitte die Türen zu den Kammern der beiden jungen Leute, die hier ihr gemeisames Glück finden werden. Eigentlich müssten nun Henry Vahl aus der einen Tür und Erna Raupach-Petersen aus der anderen Tür kommen, um sich über die Musik von Untermieterin Heike zu beschweren beziehungsweise sie zu ermuntern das Radio lauter zu drehen. Es erscheinen Horst Arenthold und Sandra Keck. Die spielen ein anderes Paar als Vahl / Raupach-Petersen in den 1960er Jahren. Arenthold mimt einen früh verrenteten Beamten in den besten Jahren, Sandra Keck eine höchst begehrenswerte reifere Dame. Da erhalten die späteren amourösen Annäherungen eine ganz andere, sinnlichere Dimension als in der Inszenierung von 1962. Das hat mehr was von 2015. Entkrampfung nach 53 Jahren beschert der neuesten Inszenierung von „Tratsch op de Trepp“ die größte Veränderung zum Ohnsorg-Original. Glänzend umgesetzt insbesondere von dem Duo Keck / Arenthold, wieder einmal.
Großartig auch Heidi Mahler in der Rolle der tratschenden Meta Boldt, die Mutter Heidi Kabel zur Legende machte, mit eigener, leicht aufgeregter Note. Kein Problem mit dem Zeitsprung hat das junge Paar. Die Annäherung „funktioniert“ genauso gut wie in den 1960ern. Arja Sharma und insbesondere Evangelos Sargantzo bringen ordentlich Power ins jugendliche Gefühlsleben, das sich heute genauso gestalten könnte wie damals. Den vergleichsweise leichtesten Part haben Wolfgang Sommer als lüsterner Hauswirt und Dieter Schmitt als patriarchischer Firmenchef. Diese Charaktere haben sich seit 1962 leider nicht verändert.
Michael Koch ist der Spagat zwischen dem zeitlichen Rahmen 1960er Jahre und behutsamer Veränderung einiger Personen unter Berücksichtigung der Entwicklung bis heute prächtig gelungen. Auch so kann sich Tratsch im Treppenhaus anno 1962 abgespielt haben. Bis zum 9. Oktober ist „Tratsch op de Trepp“ im Ohnsorg Theater, Heidi Kabel Platz 1, zu sehen.
Noch ein Highlight bei der Premierenfeier: Heidi Mahler erhält demnächst die Senator-Biermann-Ratjen-Medaille, die seit 1978 für künstlerische und kulturelle Leistungen um Hamburg verliehen wird. (ch)

Weitere Infos: Ohnsorg Theater
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