Applaus und Buhrufe an der Staatsoper Hamburg

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Die acht Pixelvorhänge dominieren das Bühnen bild. Pamina (Christina Gansch) sitzt mittendrin Foto: Arno Declair

Umstrittene Inszenierung von Mozarts „Zauberflöte“

Hamburg-Neustadt Es wurde kräftig gebuht und geklatscht nach der Saisoneröffnung in der Hamburgischen Staatsoper. An Jette Steckels Inszenierung der „Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart schieden sich die Geister. Nach einem grenzwertigen Einstieg mit Tamino als Greis, der in der ersten Reihe sitzend offenbar einen Schwächeanfall erlitt und von Sanitätern aufgebahrt, dann aber auf die Bühne geschoben wurde, um die ersten Sätze der Rolle zu singen, sehen wir ihn und Papageno im Zeitraffer zusammen aufwachsen, bevor sie sich dem Original folgend auf die Reise zu Sarastro machen, um Pamina, die Tochter der Königin der Nacht zu befreien. Jette Steckel inszenierte „Die Zauberflöte“ als vom Ende her betrachtete Lebensreise des Tamino, eine Reise zunächst ins Reich des vermeintlichen Bösewichts Sarastro, erleuchtet durch acht Pixelvorhänge, denn Sarastro entpuppt sich als weiser Monarch der erleuchtenden Aufklärung im 18. Jahrhundert. Die Etappen auf diesem Weg in der zauber- und rätselhaftesten aller Opern, die immer wieder unterschiedlich interpretiert wurde, versucht die Theaterregisseurin mit beachtlichen Inszenierungen am Thalia Theater nicht zu deuten. Sie spielt mit der Geschichte, lässt Personen, Formen, Gegenstände über die die Bühne dominierenden Pixelvorhänge leuchten. Die Darstellerinnen und Darsteller spielen im ganzen Raum, turnen über die Balustrade zwischen Orchestergraben und Publikum, treten auch mal durch den Zuschauerraum auf und ab. Es darf sogar mitgesungen werden. Da ist vor allem Papageno in seinem Element. Jonathan McGovern kostet in dieser Rolle die Bewegungsfreiheiten weidlich aus. Da er stimmlich ganz große Oper bietet, mausert er sich schnell zum Star des Ensembles. Christina Poulitsi steht ihm aber als Königin der Nacht im Gesang mit allseits bekannten Arien von höchstem Schwierigkeitsgrad in Nichts nach. Eine burschikos-entschlossene Pamina spielt und singt Christina Gansch. Neben Gesang und Musik kommt das Schauspiel nicht zu kurz. Da wird in Dialogen auch mal minutenlang geschwiegen. Jette Steckel bringt theatralen Schwung ins mitunter betuliche Opernhaus. Nicht allen hat es bei der Premiere gefallen. Mozart hätte seine Freude daran gehabt. (ch)

Weitere Infos: Staatsoper Hamburg
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