DER UMGANG MIT DER KUNST

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Der Umgang mit der Kunst spannt die Menschen in die Dialektik von Bezug und Distanznahme ein. Man lässt sich auf Kunstwerke so ein, dass man gleichwohl, mehr oder weniger bewusst, vergegenwärtigt, dass und wie man sich auf sie einlässt. Kunstwerke lassen Spielräume für sinnliche Wahrnehmungs und Gestaltungsmöglichkeiten. Denn sie verweisen immer auf die Art und Weise, in der sie Gegenstände präsentieren bzw. repräsentieren.
Das bedeutet, dass Kunstwerke und kunstspezifische Handlungsformen Menschen in einen sinnlichen (reflexiv-ästhetischen) Selbstbezug verwickeln können, da in ihrer Wahrnehmung und Erfahrung der alltägliche Weltbezug aufgehoben ist. In der sinnlichen Wahrnehmung von Kunst sind intensive und reflexive Erfahrungen der Gegenständlichkeit und der leiblichen Subjektivität gleichsam eingelagert In diesem Sinne sind Kunstwerke ein besonderer Ausdruck der Erfahrungsfähigkeit des Menschen, die mit ihrer modellhaften Intensität eine besondere Relevanz für das Subjekt besitzen. Dies bedeutet, dass Kunstwerke Wahrnehmungen verdichten und somit Erfahrungen der Offenheit, Mehrdeutigkeit, Differenzierung, Kontingenz und Reflexivität ermöglichen.
Die Künste lassen sich insofern als eine besonders erscheinende Form des Wissens und der Wissenschaft verstehen. Sie bilden eine mittlere Abstraktionsebene, die konkrete Wahrnehmungserfahrungen mit theoretischen Abstrahierungen verbindet. Die Künste können hier Aufmerksamkeiten und Wahrnehmungsperspektiven für die Möglichkeiten des Spiels zwischen eintauchendem Gewahrsein, symbolischer Interpretation, reflexiver Distanznahme und entwerfender Imagination erzeugen. Im Experimentieren mit bestimmten Wahrnehmungsformen und unterschiedlichen Erkenntniszugängen und ihren Verhältnissen untereinander wird das sinnlich­-wahrnehmende Selbst­- und Welterlebnis gebildet. Die Künste können dabei als Ausdruck (Expressionstheorie) oder als Verursacher (Evokationstheorie) von sinnlichen Erfahrungen verstanden werden. In der Auseinandersetzung mit der Kunst können die Menschen ihr sinnlich­-leibliches, nicht­-propositionales Wissen produktiv entfalten; und sie können sich rezeptiv mit ihrem sinnlichen Potential, mit ihren Wahrnehmungsvollzügen und ihren Selbsterfahrungen konfrontieren.
P! Magazine / U. Marcus Rykov
Photo: P! Magazine Uwe Marcus Rykov
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