Doppelpremiere an der Staatsoper Hamburg

Anzeige
Nina (Angela Denoke) versucht von Pedro (Sergei Leiferkus) die Wahrheit zu erfahren Foto: Monika Rittershaus

Senza Sangue/Herzog Blaubarts Burg bietet eine aufwühlende Seelenschau

Von Frank Denker-Kotowski
Hamburg-City
Senza Sangue, von Péter Eötvös, erzählt die Geschichte einer Frau, die nach fünfzig Jahren einen Mann wieder trifft, der ihr Leben schicksalhaft verändert hat. Als junges Mädchen überlebt sie einen Mordanschlag durch Partisanen auf ihren Vater und ihren Bruder, weil einer der Soldaten sie verschont. Nun treffen sich die beiden wieder. Noch einmal möchte Nina das Geschehene durchleben, den rettenden Blick in seinen Augen sehen. Als sie ihm eine gemeinsame Nacht anbietet, beginnt nahtlos Bartóks Blaubarts Burg, die zweite Premiere des Abends. Judith liebt Blaubart. Sein geheimes Ich verbirgt sich hinter den sieben Türen seiner düsteren Burg. Wenn sie geöffnet werden, so hofft Judith, wird Licht und Luft in seine Burg und seine Seele strömen. Doch dafür reicht seine Bereitschaft nicht. Er sperrt Judith hinter die letzte Tür zu seinen drei Frauen, die er bereits ermordet hat. Péter Eötvös hat seinen Einakter Senza Sangue ganz bewusst als Gegenstück zu Bartoks Blaubarts Burg entworfen. Dem russischen Regisseur Dmitri Tcherniakov gelingt es dazu, aus beiden Opern eine durchgängige Handlung zu kreieren. Trostlos der verzweifelte Versuch der Judith in den sieben Szenen des Senza Sangue die Wahrheit der Mordnacht zu erfahren. Die Szene und die Oper wechseln beinahe unmerklich von einer tristen Straßenkreuzung in ein ebenso tristes Hotelzimmer. Wie ein Rollenspiel mit falschen Identitäten, um Ängste und Zweifel zu überwinden, schließt sich der Blaubart an Senza Sangue an. Die Bühne wird zum Schaukasten der Psyche. Imaginär öffnen sich Tür um Tür von Blaubarts Horrorburg, Schicht um Schicht kommt Judith ihrem Geliebten näher, um mit der siebten Tür in die Todeskammer zu gelangen. Videoeinspielungen machen Parallelen zu Senza Sangue greifbar und scheinen diese Fiktion zu bestätigen. Kernthema bleibt aber die Geschichte um Schuld, Rache, Aussöhnung, Liebe und die Geheimnisse der eigenen Vergangenheit. Immer dabei der Zweifel: Kann man in die Seele eines Menschen schauen? Der Komponist Péter Eötvös leitet musikalisch glänzend durch den Abend, versteht es die Vielschichtigkeit der Seelenqualen brillant mit dem Philharmonischen Staatsorchester umzusetzen. Großartig die beiden Sängerpaare Angela Denoke und Sergei Leiferkus in Senza Sangue und Bálint Szabó und Claudia Mahnke im Blaubart. 110 Minuten aufwühlende Seelenschau. Ein Abend, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Senza Sangue/Herzog Blaubarts Burg: Weitere Vorstellungen bis Ende November. Karten unter Telefon 35 68 68 oder
www.staatsoper-hamburg.de
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige