Ein Bild vom Reichtum

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Anna Skladmann zeigt die Kinder russischer Millionäre als „Little Adults“, „Kleine Erwachsene“. Repro: Hörmann
 
Lamia Maria Abillama fotografierte reiche alte Ladies in Rio Repro: Hörmann

Museum für Kunst und Gewerbe widmet sich dem Thema Luxus

City Teenies mit Champagnerflaschen, beim Sprung von einer Luxusyacht oder mit teuren Uhren und „It-Bags“ am Handgelenk, die mehr kosten als ein durchschnittlicher Monatslohn – der Internetblog „Rich Kids of Instagram“ stellt Reichtum zur Schau, manchmal lustig, manchmal peinlich oder obszön, aber immer exzessiv und ungeniert. Die selbst inszenierte Bilderflut der Reichen und Schönen ist Inspirationsquelle für die Ausstellung „Fette Beute. Reichtum zeigen“ im Museum für Kunst und Gewerbe. „Reichtum sagt über die Gesellschaft genauso viel aus wie Armut“, sagt Kuratorin Esther Ruelfs und so machte sie sich auf die Suche nach Fotografen, die sich mit der „feinen Gesellschaft“ auseinandersetzen und ihre Wohnungen, ihre Kinder und ihre Feste ablichten, die auch kritisch hinter die Fassade von Luxus und Reichtum schauen. Eine von ihnen ist Lamia Maria Abillama. In ihrer Fotoserie „Ladies of Rio“ porträtiert sie die weiße Geldelite der südamerikanischen Metropole. Ein Projekt, das sich nur realisieren ließ, weil ihre Großmutter dieser Oberschicht angehört und ihr viele Türen geöffnet hat. Lamia Maria Abillama war schon als junges Mädchen berührt von den Klassenunterschieden zwischen den Freundinnen ihrer Großmutter und deren Hausdamen und Dienstmädchen. Auf ihren Fotos ist neben den Insignien des Wohlstands wie Antiquitäten und Kunst auch stets das Personal mit abgelichtet, dezent im Hintergrund, aber immer präsent. Die Ladies, die die Künstlerin porträtiert, bezeichnet sie als „frozen in time“, zeitlos, alterslos und privilegiert. Die Amerikanerin Tina Barney dokumentiert in ihrem Projekt „The Europeans“ die selbstverständliche Gereiztheit der wohlhabenden Familien im „alten Europa“, der Holländer Paolo Woods zeigt in seiner Arbeit „Chinafrica“ aus dem Jahr 2007 geradezu neokoloniale Tendenzen in der Selbstinszenierung chinesischer Investoren in Afrika.
Daneben stehen historische Fotos der High Society bei Bällen, Opern oder Pferderennen aus der Zeit der Jahrhundertwende bis zum Bildjournalismus der 1960er Jahre und verschiedene Video-Arbeiten. So besuchte Gabriel Mascaro Penthousebesitzer und befragte sie über ihre noblen Behausungen, die sie schon räumlich aus der Masse herausheben. Insgesamt ist die Ausstellung „Fette Beute. Reichtum zeigen“ eine vielseitige und sehenswerte Gesellschaftsstudie, die ganz anders als die Fotos in den Hochglanzmagazinen stets auch die kritische Distanz zu den abgelichteten „Spitzen der Gesellschaft“ bewahrt. (sh)
Noch bis 11. Januar 2015, Di-So 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr, Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz, direkt am Hauptbahnhof. Eintritt:
10 Euro, ermäßigt 7 Euro, Kinder bis 17 Jahre frei.

Info:
Das Museum für Kunst und Gewerbe veranstaltet passend zur Ausstellung „Fette Beute. Reichtum zeigen“ einen Fotowettbewerb für Schüler der 7. bis 13. Klassen. Unter dem Motto „Reichtum sucht Motiv“ können die Teilnehmer Bilder per Mail in hoher Auflösung einreichen unter fotos@reichtum-sucht-motiv.de. Willkommen sind auch ungewöhnliche Interpretationsformen des Themas „Reichtum“, so sind zum Beispiel Natrschutzgebiete „artenreich“ und Familien „kinderreich“ (sh)
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