Ein Blick von der Brücke / Mannheim Arrival Arthur Miller / Peter Michalzik (Mitarbeit Lea Gerschwitz)

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  Der Intendant der Sparte Schauspiel Burkhard C. Kosminski hat das Stück "Ein Blick von der Brücke" von Arthur Miller zusammen mit dem Dokumentartheaterprojekt "Mannheim Arrival", in dem individuelle Fluchtgeschichten von in Mannheim Lebenden erzählt werden, aufgenommen und zu Monologen verdichtet. Wir alle sind in diese Geschichte verwickelt“, heißt einer der Kernsätze aus Burkhard C. Kosminskis Inszenierung von Arthur Millers „Ein Blick von der Brücke“, geschrieben 1955 über das Thema illegaler Einwanderung in New York und dem damit verbundenen sozialen Sprengstoff. Ein Stück welches das NTM zusammen mit einer großen Statistenschar von Mannheimer Flüchtlingen und dem Hans Platzgumers Weltmusik-Quintett realisiert hat.
Das Bühnenbild Florian Ettis des ersten Teils "Ein Blick von der Brücke" zeigte einen kargen, heruntergekommenen Wohnraum mit zerfetzten Mustertapeten in der sich jedoch dramatische Ereignisse abspielten in dem ein junges Liebesglück zischen Cathrine und dem illegal eingewanderten Rodolpho in Konflikt mit innerfamiliären Ressentiments geraten ist. Ein verhängnisvolles Zusammenspiel das mit Sexualneids verquickt ist und zum Schluss in einem tödlichen Drama endete.
Unter den Ensemblemitgliedern ragen Sven Prietz als kommentierender Anwalt und Anne-Marie Lux als Catherine heraus. Sie ist es, die sich in den illegal eingewanderten Rodolpho (Alexey Ekimov) verliebt, wodurch alles aus der Kontrolle gerät und eskaliert.
Der zweiten Teil "Mannheim Arrival" eine Porträtreihe, Schauspieler des Mannheimer Ensemble mit dem diesmaligen Gastschauspieler André Eisermann sprachen die in der Ich-Form gehaltenen Texte der Flüchtlinge. André Eisermann ein vielschichtiger Protagonist und renommierter deutscher Film- und Theaterschauspieler der schon in Musicals und Opern zu sehen war und gerade auf seiner Tour „spoken word performance“ zu Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ ist.
Porträts der Flüchtlinge wurden als Bild auf eine große Leinwand projiziert und dabei saßen sie entweder auf der Bühne im Profil oder mit dem Rücken zum Publikum oder waren nur zur kurzen Einleitung im Geschehen. Eine Produktion zu dieser aktuellen Thematik, eine dokumentarische Sammlung von Leben und Leidensberichten von geflüchteten Zeitzeugen.
Ein erschütterndes Schicksal welches doch klar und sachlich durch das Ensemble des Mannheimer Nationaltheaters gezeigt wurde. Geschichten von Flüchtlingen erzählt, von ihrer Flucht und ihrer Ankunft in Deutschland.
Geschichten von einem jugendlichen Afghanen Taliban die in seiner Heimat wahllos mordeten und wie er sich nun in Deutschland mit Geduld und nochmal Geduld üben muss. Ali ein Flüchtling aus Somalia, dessen Liebe soziale Stammesschranken sprengte. Polina, die als Christin vor dem Terror des IS geflohen ist. Viele dramatische Erlebnisse die für uns kaum vorstellbar sind waren zumindest an diesem Abend überwältigend, schockierend zugleich.
Am Schluss des Stücks trug das gesamte Team den bekannten Mannheimer Fall vor. Flüchtling Ba, er war Kindersoldat und wurde zurück geschickt. Er kam wieder an zuhause. Er wurde geschlagen, er wurde misshandelt. Wir wissen es. Er wurde umgebracht. Zuhause. Mannheim kann Ba nicht vergessen. Ba kam nach Hause und wurde umgebracht.

Ein Blick von der Brücke / Mannheim Arrival
von Arthur Miller / Peter Michalzik (Mitarbeit Lea Gerschwitz)
In Zusammenarbeit mit der Mannheimer Bürgerbühne
Regie: Burkhard C. Kosminski, Bühne: Florian Etti, Kostüme: Ute Lindenberg, Musik: Hans Platzgumer, Musikalische Leitung: Markus Sprengler, Video: Nils Blumenkamp, Licht: Nicole Berry, Dramaturgie: Lea Gerschwitz (a. G.) / Tilman Neuffer (a. G.)
Ein Blick von der Brücke mit: Ramin Akbari, Lamin Beyai, Mehretab Birikti, Ibrahim Camara, Thierno Daillo, Bahar Feratova, Azeb Tsegay Gebreselassi, Werede Mogos Gesesew, Michele Habtom, Solomon Haile, Shima Hamzehiyan, Nazeri Mohammad Hassan, Gabriel Hdraty, Modou Jarju, Marina Karoyan, Nazibrola Karoyan, Firehiwot Girma Kirstos, Semere Negasi Legese, Senay Mehari, Kidane Sium, Nodar Teliev, Alexander Tesfamariom, Dawit Weldu, Abel Yebio.
Mannheim Arrival mit: Ali Mohammed Abdirahman, Ramin Akbari, Momodou Ceesay, Shagufta Habib, Fariha Hussen, Muna Hussen, Modou Jarju, Ghafar Nurzaei, Poulina Fuaad Sheba, Linda Lendita Sylejmani.
www.nationaltheater-mannheim.de
Photo: H.J.Michael Foto Drama
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