Erinnerung an das Inferno

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Der Bildhauer Axel Richter hat das temporäre Mahnmal an der St. Petri-Kirche entwickelt Foto: Grell

„Feuersturm“-Installation aus Trümmerstücken und Grabhölzern in der Mö

City. „Erinnerungen aufbrechen“ heißt das temporäre Mahnmal, das Bildhauer Axel Richter zum Gedenken an die „Operation Gomorrha“ vor 70 Jahren an der Hauptkirche St. Petri installiert hat. Marmorstücke aus dem Altar der zerstörten St. Nikolaikirche am Hopfenmarkt, „Stadtteilbalken“ von den Massengräbern auf dem Ohlsdorfer Friedhof und Douglasienholz aus dem Skulpturenpark des Haus am Schüberg zusammengefasst, ergeben eine eindrucksvolle Skulptur, die jetzt direkt an der Außenmauer der Kirche zu sehen ist.

Wie ein großer Altar erhebt sich das aufgestellte Holz über der Marmorplatte, die kaum als eine solche zu erkennen ist. Erst in ein paar Wochen wird der Bildhauer den Stein weiter bearbeiten. 18 Balken mit den Hamburger Stadtteilnamen in das marode Holz eingeritzt, hat Axel Richter zu einer Mauer aufgestellt, dazwischen plötzlich ein frischer Balken aus hellem Holz. „Das ist der Lichtstrahl, der alles aufbricht“, so Axel Richter, der diese senkrechte Aufstellung der Stadtschilder genutzt hat, um ihr die Dominanz einer unzerstörbaren Wand zu geben. Dieses eine Holz, das die Balken in zwei Gruppen teilt, könnte jeden Namen irgendeiner Stadt weltweit tragen. Noch bis Ende Oktober wird die Installation zwischen der Dietrich-Bonhoeffer-Statue und dem Kunstdruck „Guernica“ von Pablo Picasso an der Mönckebergstraße zu sehen sein.

Drei Mahnmale zur Nazi-Diktatur

Schon die Dietrich-Bonhoeffer-Statue erinnert an ein ähnliches Inferno. Zwei Tage nach Hitlers Machtergreifung befand sich der Theologe als einer der wenigen Kirchenleute bereits in Konfrontation mit dem Nazi-Regime. „Guernica“ zeigt, dass der gnadenlose Luftkrieg auf rein zivile Ziele mit dem Eingreifen der deutschen Legion Condor in den spanischen Bürgerkrieg 1937 begann. Drei Mahnmale sind hier zusammen zu sehen, die sich alle auf dasselbe Ereignis in der Geschichte beziehen.
Unter dem biblischen Motto „Wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen“ erinnert Schauspieler und Zeitzeuge Rolf Becker am 20. August in einer Lesung an den Feuersturm. So soll die kollektive Erinnerung wach gehalten und Fragen aufgeworfen werden, die keine schnellen Antworten suchen. (kg)
Die Installation ist zu sehen bis Ende Oktober, Lesung mit Rolf Becker zugunsten der libyschen Flüchtlinge in Hamburg am 20. August, 20 Uhr,
St. Petri Kirche
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