Flötenzauber war gestern

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Die Zeitreise beginnt. Christina Gansch, Dovlet Nurgeldiyev Copyright: Arno Declair

Vielleicht muss man einfach mal loslassen

Von Frank Denker-Kotowski

Was war denn das? Eine Frage, die sich wohl mancher Zuschauer nach dem Besuch der Zauberflöte in der Hamburger Staatsoper stellt. In der Tat, alles ist anders. Was da in den knapp drei Stunden über die Bühne flimmert, schwirrt, glitzert, funkt und brummt, will allerdings so recht nicht in Schwung kommen. Für eine Art Lebensrückschau wird der greise Tamino, während der Ouvertüre, nach einem Schwächeanfall von Sanitätern aus dem Parkett auf die Bühne getragen, um dann in einem „Time Tunnel“ eine Reise vom Anbeginn seines Lebens zu starten. So wächst der Knabe bei Nonnen auf, entwickelt sich über den Teenie zum Mann, um seine geliebte Pamina erst im Greisenalter zu finden. Ein eher trauriges Ende.

Eingerahmt, gar eingeengt wird das ganze Spektakel durch acht riesige LED Vorhänge (Bühnenbild Florian Lösche, Licht Paulus Vogt), die durch ihren Lichteinsatz das Geschehen, die Stimmung wiederspiegeln sollen. Leider nutzten sich die Effekte im Laufe des Abends deutlich ab. Allzu aufdringlich wirken die eingebauten Gags und Slapstickeinlagen: So wird das Publikum zum Glöckchenthema aufgefordert mitzusingen. Leider wird dadurch der Spielfluss immer wieder, bis hin zur Langeweile, unterbrochen, ein roter Faden scheint zu fehlen. Rot sind einzig die leuchtenden Pfeile, die Papageno und Tamnio den richtigen Weg weisen sollen. Nur finden sie in ihn einfach nicht.

Leider schafft es auch der Alte Musik Spezialist Jean-Christoph Spinosi nicht vollständig Zauber aus dem Graben sprühen zu lassen. Sichtlich bemüht dem Geschehen auf der Bühnen zu folgen, bleibt die Rumpfmannschaft der Philharmoniker, der größere Teil der Musiker weilt derzeit mit Kent Nagano auf einer Südamerika Tournee, hinter der gewohnten Klasse zurück. Allen Widrigkeiten zum Trotz glänzt vor allem Jonathan McGovern als Papageno, der es versteht, der Rolle zumindest einen durchgängigen Charakter zu verleihen. Auch Maria Chabounia, als Pamina an seiner Seite, bleibt auf dem für das Haus gewohnten Niveau. Christina Poulitsi als Königin der Nacht erhält ihren verdienten Szenenapplaus. Fazit: Es tut nicht weh, diese ungewohnte, eher als Nummernrevue konzipierte Zauberflöte von Jette Steckel zu sehen. Beinahe ist man allerdings versucht zu sagen: Schade!

Das Video zur Zauberflöte


Weitere Vorstellungen 3. Oktober 2016, 18 Uhr, Donnerstag 6. Oktober 2016, 19 Uhr, Mittwoch 12. Oktober 2016, 19 Uhr, Dienstag 29. November 2016, 19 Uhr, Donnerstag 1. Dezember 2016, 19 Uhr, Donnerstag 8. Dezember 2016, 19 Uhr, Sonntag 11. Dezember 2016, 18 Uhr und Mittwoch 14. Dezember 2016, 19 Uhr.
Karten unter Tel. 35 68 68 oder www.staatsoper-hamburg.de
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