Großer Kinohit op plattdütsch

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Zwischen den Brüdern Sino (Holger Dexne, l.) und Linus (Tim Ehlert) läuft es nicht immer rund Foto: Hasheider

„Soul Kitchen“ im Ohnsorg-Theater

St. Georg Ein Kinokracher auf der Bühne und dann auch noch op plattdütsch. Kann das gutgehen? Ja, wenn es das Ohnsorg-Theater macht. Die niederdeutsche Bühne hat in den vergangenen Jahren einige Experimente gewagt und immer gewonnen. So auch dieses Mal. „Soul Kitchen“, Fatih Akins Filmhit über eine heruntergekommene Kneipe in Wilhelmsburg, die sich aufgrund von zündender Live-Musik und gutem Essen zum beliebten Szenetreff wandelt, wird einfach ins eigene Haus verlegt. Es spielt dort, wo es gespielt wird: im Ohnsorg Theater, das ins gegenüberliegende Schauspielhaus umgezogen ist. Das nun ehemalige Ohnsorg ist in der Fassung von Regisseur Ingo Putz und der äußerst gelungenen Übersetzung von Cornelia Ehlers die Kneipe, in der die Geschichte von Akin und Adam Bousdoukos spielt. Zwischen Tresen, rollenden Elementen und Gerüsten spielen die Darsteller in schummrig-schäbiger Kneipenatmosphäre die bekannte Geschichte vom Kneipenwirt Zinos, hier Sino, dessen Freundin jobmäßig nach Shanghai aufbricht, der dann einen Bandscheibenvorfall erleidet und Besuch von seinem leichtlebigen Bruder auf Freigang bekommt, der wegen Einbrüchen im Gefängnis sitzt und im „Soul Kitchen“ arbeiten möchte. Zu allem Überfluss versucht Sinos früherer Mitschüler Neumann, nun gerissener Immobilienmakler, das Grundstück des Soul Kitchen zu erwerben, um es einem anderen Zweck zuzuführen. Sino will nur noch weg zu seiner Freundin nach Shanghai und verpachtet die Kneipe schließlich an seinen Bruder. Doch ein Spitzenkoch und eine großartige Band lassen plötzlich die Gäste ins Soul Kitchen strömen. Als Sängerin dieser Band begeistert Love Newkirk mit starker Stimme. Brausender Applaus war ihr bei jedem Auftritt sicher, den sich am Ende auch das Schauspielensemble verdiente: an der Spitze Holger Dexne als von einem Maleur ins nächste stürzender Sino, bestens unterstützt von Tim Ehlert, der seinen Bruder überzeugend frech und sympathisch erscheinen lässt, von Kristina Bremer als schlagfertig treue Seele Luzie hinterm Tresen, Oskar Ketelhut in der Rolle des peniblen Meisterkochs Hein, Horst Arenthold als schwergewichtig-gemütlicher Stammgast Sokrates, Tobias Kilian als wunderschön überzogener Immobilienhai in Designerklamotten sowie jeweils in zwei Rollen Kathrin Ost und Jenny Klippel, die auch beim Tanz an der Stange begeistern kann. Lebenslust fehlt halt nicht im Soul Kitchen. Da wird auch mal – wenn auch verdeckt – masturbiert und mit Körpereinsatz geknutscht, zwei Polizisten strippen. Ingo Putz und Cornelia Ehlers haben eine rasant-unterhaltsame Inszenierung hingelegt und bewiesen: Film kann auch auf Bühne gehen. Begeistert waren bei der Premiere auch Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und Katharina Fegebank in Partnerbegleitung sowie Adam Bousdoukos, Hauptdarsteller und Mitdrehbuchtor des Films. (ch)

Weitere Infos: Ohnsorg Theater
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